Eine Deutsche Künstlerin in den Rockies…

SJaspert
Multi Talent Sabine Jaspert ist eine deutsche Malerin die in Kanada lebt.  Auf Ihrer Webseite kann man Ihre Biographie lesen und manche Ihrer Bilder bewundern.  Eine hochkarätige Künstlerin die schon mit einigen großen Namen gearbeitet hat und die sogar andere Künstler (Maler, Sänger, Schriftsteller) fördert und unterstützt.
Frau Jaspert gab uns ein Interview mit folgenden Antworten:

Frau Jaspert,wie sind sie nach Kanada gekommen und wie lange leben sie schon dort?
Ich lebe seit 1995 in Kanada , in Kelowna, British Columbia. Für das Auswandern gab es keinen weiteren Grund, als den, einfach einmal etwas Neues zu beginnen und einem durchgeplanten Leben zu entgehen.  Ausserdem leben  meine Schwiegereltern  schon seit den 70er Jahren hier in Kelowna und wollten uns gerne in der Nähe haben. Das hat es uns leichter gemacht.
Was sind Ihre drei Lieblingsorte in Kanada?
Bisher ist es Vancouver Island mit seinen dichten Regenwäldern, mildem Klima  und weiten Stränden, die Gegend um Jasper und Banff in den Rocky Mountains mit ihrer gewaltigen Schönheit,und natürlich der Okanagan, mit seinem grossen See, den Weinhängen und Obstplantagen, wo ich schon seit 17 Jahren lebe.
Was fanden Sie zu Anfang in Kanada am schwierigsten?
Ich habe hier gelernt, wie verwöhnt ich durch das deutsche Sozialsystem war.  In vielen Angelegenheiten ist man hier fuer sich selbst verantwortlich.  Das Schulsystem ist mit unserem nicht vergleichbar, auch wenn mit den gegenwärtigen Neuerungen in Deutschland eine oberflächliche Annäherung stattgefunden hat.  Als Frau und Mutter fühlte ich mich oft in die 60er Jahre zurückkatapultiert.
Welche 3 Dinge sind fuer sie typisch kanadisch?
Den typischen Kanadier, auch wenn alle in ihrer Liebe zum Eishockey verbunden zu sein scheinen und ihre Nation auf eine unerschütterliche Art lieben zu scheinen, gibt es für mich nicht.  Dafür sind die Gegebenheiten in den  anderen Provinzen zu unterschiedlich.  Ich kann nur für “meine Provinz,” British Columbia – oder besser fuer den Okanagan sprechen.  Hier empfinde ich eine oft anzutreffende, kultivierte Naivität typisch.  Sie hat ihren Charme und erleichtert den Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen.  Für Europäer ist es oft nicht einfach, intensive Kontakte zu knüpfen, menschliche Bindungen sind hier meist zweckgebunden, flexibel und situationsorientiert.  Der Umgang miteinander ist ausgesprochen höflich und unverbindlich .  Allzu direkte Fragen werden oftmals freundlich lächelnd übergangen, Kritik, wie sie die Deutschen zu lieben scheinen, als peinlich empfunden. Den meisten Kanadiern  scheinen grosse Entfernungen nichts auszumachen.  Man fährt schon mal durch Eis und Schnee zu einem  Hockeyspiel im über 400km entferntem Vancouver  und abends wieder zurück.

Was würden Sie anderen Deutschen empfehlen, die nach Kanada auswandern möchten?
Einem deutschen Auswanderer würde ich empfehlen, genau zu prüfen, was ihm so viel besser erscheint an Kanada. Was sich in Hochglanzbroschüren über dieses Land liest, existiert, aber den Zugang zu vielen der angepriesenen Vorteile findet man oft nicht leicht.  Der einfachste Rat wäre wohl, nicht unvermögend zu sein, sehr gute Sprachkenntnisse, eine gute allgemeine Ausbildung zu haben, sehr gesund und jung zu sein.  Die gewohnte soziale Sicherheit wird man hier nicht finden, das Gesundheitssystem ist ein völlig anderes, besonders schwierig ist es für Frauen, Alte und Kinder.  Arbeitsverträge gibt es selten , Arbeitsverhältnisse muss man, wie vieles, flexibel sehen. Ein stolzer, deutscher Handwerker muss wissen, dass hier nichts für die Ewigkeit gebaut wird. Wer kulturelles Leben will, sollte in die grösseren Städte ziehen. Wer Kinder hat, sollte wissen, dass die weitere Ausbildung sehr teuer ist und die meisten jungen Leute ihr weiteres Leben mit einem hohen Schuldenberg beginnen. Ganz wichtig finde ich, dass Paare, die zusammen  auswandern wollen, eine wirklich gute und enge Beziehung haben sollten. Nach meiner Erfahrung in unserem Umfeld halten” angeknackste” Beziehungen unter den neuen Verhältnissen nicht lange.
Was vermissen Sie am meisten von Deutschland?
Ich vermisse  meine Familie und Freunde, den klaren Umgang miteinander, das Spielerische untereinander ,die Herausforderung  einer  lebendigen Gesprächs- und Streitkultur.  Auch wenn ich die hiesige Sprache sehr gut beherrsche, vermisse ich oft den Austausch in meiner Muttersprache.
Sie veranstalten ”Salons”, wo man sich trifft und über verschiedenste Themen diskutieren kann. Wie hat es damit angefangen?
Ich hatte Heimweh, auch noch nach vielen Jahren .  Um einen Teil dessen, was ich vermisse, für mich zurückzuerobern, hatte ich die Idee, eine sehr typische Einrichtung von Auswanderern in aller Welt auch hier einzurichten.  Mein Heimweh unterschied sich nicht sehr von den Gefühlen und Bedürfnissen kanadischer Intellektueller, Künstler und Menschen abseits des Mainstreams.  Und so wurde der Salon ein Treffpunkt für jeden der wollte.  So wurde vor  10 Jahren  “Sabines Salon” gegründet, gemeinsam mit einem Freund, Dr Patrick Keeney, der zu der Zeit noch am hiesigen College Pädagogik und Philosophie unterrichtete.  Patricks Kontakte zu kanadischen Universitäten und auch die lokalen Presse, half uns, interessante Referenten  und Menschen zu finden, Zu Anfang trafen wir uns in Pubs und Restaurants, später fanden unsere Treffenabende – ein bis zweimal im Monat, in meinem Atelier statt.  In der Regel sind es 20 bis 30 Leute( oft auch viel mehr) aus unterschiedlichen Bereichen der Kunst und Wissenschaft, Journalisten, Autoren und Musiker.  Nach einer längeren Pause, werde ich jetzt im September mit einer neuen Salon Serie beginnen.
Sie arbeiten auch mit anderen Künstlern zusammen, darunter auch Sänger und Sängerinnen. Bevorzugen Sie hier ein bestimmtes Genre?
Wenn die Musik gut ist, spielt es keine Rolle für mich, um welches Genre es sich handelt.
Matt Epp, ein kanadischer Sänger arbeitet gelegentlich gemeinsam mit Ihnen. Um welche Projekte handelt es sich?
Matt Epp ist ein ungewöhnlicher Musiker und Mensch, ein grossartiger Songschreiber, ein Poet. Ich freue mich, wenn ihm Hauskonzerte in meinem Studio nützen, oder er und seine Frau sich eine kreative Pause darin gönnen , ein paar Wochen entspannen, neue Songs schreiben und mit seinen Freunden das ein oder andere Musikvideo produzieren. Es macht Spass, an all dem teilzuhaben und auch , wie kürzlich, einen seiner Songs zu illustrieren  – vielleicht wird ja einmal ein Buch daraus…
Wer sind Ihre Lieblings kanadischen und deutschen Künstler und Künstlerinnen? Und warum?
Natürlich gibt es viele weltweit bekannte Künstler, die ich mag. Dies sind nur einige der Musiker, mit denen ich hier in Kanada, neben Matt Epp ,enger verbunden bin: Dale Reubert, ein Mann der klassischen Musik und des Pianos, Anne Vriend, aus Edmonton Alberta, eine begabte Chansongsängerin mit umwerfenden Liedtexten, Marty Sarbit und die Band “Imaginary Cities” aus Winnipeg, Manitoba, ein Ausbund an Energie mit einer ungewöhnlich starken Stimme, die “F-Holes” eine Band mit einer burlesken, frechen, jazzigen Musik, die Tote erweckt, Karl Roth aus Calgary, Alberta ein virtuoser Jazzviolinist mit samtener Stimme , Roslyn Franz, Kelowna BC, eine Pianistin, die über die Grenzen dieses Landes bekannt ist für ihre klassischen Interpretationen, Melissa Willmot, ebenfalls aus Kelowna, eine sehr junge Violinistin, von der man mit Sicherheit in den kommenden Jahren hören wird, Guenter Schulz,Vancouver, BC ein sehr guter Guitarist….Die meisten diese Künstler sind auch jährlich in Deutschland zu sehen, es lohnt sich, einen Blick ins Internet zu werfen, um Näheres über ihre Tourpläne zu erfahren…
In Deutschland lebt der Maler  und Photograph Hermann Foersterling, der einen sehr grossen Einfluss auf mein Leben und meine Arbeit hatte und den ich für ein Genie halte, Willem Schulz, der mit seinen Kulturzentrum “Wilde Rose” bei Osnabrück ein nicht wegzudenkender avangardistischer Veranstalter, Musiker und Komponist ist, Martin Schnabel aus Esslingen, dessen Geige einen Raum zum Explodieren bringt, Lothar Meyer in Melle, einer der kreativsten Bildhauer, die ich kenne, Tomi Wigand, ein sensibler, spannender Filmregisseur mit ungewohnlichen Einfällen (er hat einen Film hier in Kanada gedreht(”Heule Huski, heule”), …Nicht nur in der Musik fasziniert mich grosses Können, die Vielfalt seiner Erscheinungen und die Menschen dahinter. Hier, in Kanada ,bin ich zudem voller Bewunderung für den unerschütterlichen Optimismus und Mut der Künstler.  Anders als in Deutschland kämpfen sie mit unglaublichen Distanzen, der Geographie dieses Landes und um ein verhältnismässig kleines, kunstinteressiertes Publikums.
Vielen Dank an Frau Jaspert! 
Und für unsere Leser, viel Spass bei der Entdeckung dieser Talente!
www.sabinejaspert.com
www.mattepp.com
www.annvriend.com
www.imaginarycities.ca
www.karlroth.ca
www.instantencore.com/melissawilmot
www.thefholes.ca
www.guenterschulz.com

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