Inuit Kunst in Deutschland

Sie haben etwas Mystisches sogar Magisches an sich.  Sie fühlen sich kühl und warm zugleich an.  Jedes Stück ist einzeln, sonderbar und jedes davon erzählt eine Geschichte.  Die Skulpturen der Inuit. Ein besonderes Mitbringsel aus Kanada.

Diese Kunst ist seit mehreren Jahren auch in Deutschland erhältlich.  Bereits zuvor im DKG Journal präsentiert, wollte ich nun aber wissen welche Person(en) sich hinter „CreARTion Inuitkunst“ verbirgt . Frau Freia Saße bereiste einst Kanadas Norden und hat die Inuit und ihre Kunst dort kennengelernt.  Eines Tages entschied sie sich diese Kunst in Deutschland bekannt zu machen.  Nicht nur für die Schönheit dieser Kunst sondern auch um die Künstler hinter den Werken, die in sehr harten, unwirtlichen Gegebenheiten arbeiten müssen, zu unterstützen.

-Frau Saße, wie kamen Sie auf die Idee, die Inuit Kunst in Deutschland zu verkaufen?

Mein Mann hat von 1960 bis 1965 bei der Hudson Bay Company gearbeitet. Ich war damals als Au-Pair Mädchen in Kanada und dort haben wir uns kennengelernt. Mein Mann hatte sich damals schon die erste Skulptur gekauft und sie mit nach Deutschland gebracht. Er war sehr begeistert von dieser Kunst und hatte auch Bilder davon gemacht.  Mehrere Jahre später waren wir wieder in dort und haben weitere Skulpturen nach Deutschland gebracht und Kontakt zur Kanadischen Botschaft in Kanada aufgenommen, damals noch in Bonn. Die Skulpturen haben wir nach der Wende zum ersten Mal in Halle und Magdeburg auf einer Ausstellung gezeigt. Es gab Kontakte zur Gesellschaft für Kanada-Studien e.V. und wir machen jedes Jahr in Grainau bei deren Tagung eine Ausstellung.

-Woher kommt, Ihrer Meinung nach, das starke Interesse der Deutschen für die Kultur der Ureinwohner Kanadas?

Ich denke die Deutschen sind interessiert an Ländern und Kulturen die völlig konträr zur eigenen Kultur sind.  Genauso wie China und Indien interessant sind, so sind auch die Indianer und Inuit für die Deutschen sehr spannend.  Das schwierige ist jetzt, glaube ich, mehr über die Inuit zu erfahren da sie noch weiter weg sind.  Da muss man von Toronto und Ottawa nochmal 3 bis 4 Stunden hochfliegen und es gibt nur diese kurze Saison die es möglich macht die Künstler bei der Arbeit zu beobachten oder Wanderungen zu machen. Deswegen ist es noch relativ unbekannt und das erklärt auch das Interesse daran.

-Auf welchen Veranstaltungen sind Sie in Deutschland mit Ihren Kunstobjekten anzutreffen?

Ich bin schon in Bremen auf Universitäts-Veranstaltungen gewesen wo das Thema dazu passte.  Ich habe in Museen ausgestellt in Stuttgart, Frankfurt und München.  Ich biete auch Vorträge an da ich die Künstler und Menschen in Nunavut fotografiert und kennengelernt habe und zeige das oft zusammen mit Skulpturen in Rhein-Main und Nord-Deutschland.  Ich stelle auch in Galerien aus. Ich versuche die Kunst überall in Deutschland bekannt zu machen da es so wenig publik ist.

-Was macht diese Kunst für die Leute so attraktiv?

Die Stücke sind richtige Handschmeichler.  Man möchte sie anfassen. Sie haben so schön geschliffene Formen. Kunden haben mir gesagt, die Gesichter seien so faszinierend.  Einfach dargestellt, oft abstrakt und trotzdem so ausdrucksvoll dass man das Gefühl hat sie wirken  beruhigend.  Viele Leute haben die Objekte auf Ihren Schreibtisch gestellt und schöpfen irgendwelche Kräfte daraus.  Neulich hat mir ein Mann gesagt, er hat sich seinen Trommel Tänzer auf seinen Aktenberg gestellt und seitdem fließe die Arbeit viel flotter bei ihm und er bekommt deutlich  mehr Aufträge; als würde diese Figur zu seinem Erfolg beitragen.

-Wie waren Ihre ersten Eindrücke, das erste Mal bei den Inuit?

Ich bin meistens im Sommer da gewesen weil ich die Inuit draußen bei der Arbeit sehen wollte.  Es war schon erschreckend wie kahl alles war. Wenn man aus einer Gegend kommt wie hier im Taunus wo alles grün ist und viele Bäume sind, fragt man sich was man dort überhaupt machen kann.  Aber wenn man aus dem Ort rauskommt und sieht wie vielfältig doch diese kleinen Pflanzen sind die auf Fels wachsen; die Moose, die Beeren und wenn man das Wasser dazu hat und diese verschiedenen Steine, dann ist es wieder ganz spannend.  Die Menschen sind sehr freundlich und auch sehr neugierig, das hat mich sehr berührt.  Die Künstler kamen auch um ihre Arbeit zu präsentieren und zu zeigen wie es geht;  Ich bin gerne da gewesen.  Ich hatte auch das Glück in Cape Dorset eine kleine Hütte am Strand mieten zu können.  Man war im direkten Kontakt. Man konnte die Fischer raus fahren sehen, man war umgeben von Schnitzern  und konnte jeder Zeit hinlaufen und zuschauen wie sie arbeiteten.  Wandern konnte man auch und wenn man weiter ging, in die Tundra, war das auch sehr spannend; wobei das letzte Mal Eisbären am Ortsrand waren und ohne Gewehr hat man uns nicht rausgelassen.

-Wie haben Sie das „Great Northern Arts Festival“ erlebt?

Es ist schon eine Weile her, es war in 2004.  Das war natürlich noch ein massiver Eindruck von allen Richtungen der Kunst der Inuit.  Nicht nur Schnitzerei, es waren auch Handweber, bearbeitete Felle  und viele verschiedene Workshops zu sehen, wo man zuschauen oder mitmachen konnte.  Es gab Trommel Tänzer, Throat Sänger die sich gegenüber stehen und ihre, für unsere Ohren, seltsame Musik gesungen haben.  Und was auch ganz beeindruckend war, war das „Blanket tossing“.  Ein Mann springt auf ein großes Fell welches von 20 Menschen gehalten wird. Das Festival zeigte wie man mit wenigen Mitteln draußen in der Natur Kunst darstellen kann.

-Stimmt es dass ein Kunstobjekt mit den Jahren an Wert gewinnt?

Ja, das ist richtig. Die ersten großen Künstler sind schon verstorben und wenn man da überhaupt noch ein Objekt bekommen kann auf einer Auktion oder bei E-bay, dann steigt der Preis aufs Doppelte.  Ein Beispiel, mein Mann hatte damals dieses Kayak für 20 Dollar gekauft.  Wenn man es heute verkaufen würde, würde es 1500 Euro kosten .  Es ist quasi eine Investition.  Je bekannter der Künstler war, desto höher ist natürlich der Preis.

-Was ist Ihr Lieblingsobjekt?  An welchem Stück hängen Sie ganz besonders?

Ich mag alle Kunstobjekte da sie alle Einzelstücke und besonders sind.  Es fällt mir immer ein bisschen schwer, wenn ich ein Stück verkaufe. Doch die „Mutter-Kind“ Werke liegen mir besonders am Herzen. Wie die Mütter ihr Kind auf dem Rücken tragen.  Vielleicht weil ich auch selbst Mutter bin.

Vielen Dank Frau Saße, dass Sie sich so für die jungen Künstler engagieren und dass Sie uns diese „Art Magie“ näher bringen!

No tags for this post.