Kanada und Integration

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Studie: Kanada erfolgreicher in Sachen Einwanderung und Integration

Deutschland und Kanada gehören zu den Einwanderungsländern. Doch während die überwiegende Mehrzahl der Einwanderer nach Deutschland nur über geringe Qualifikationen verfügen, sieht das in Kanada ganz anders aus. Fast die Hälfte der Einwanderer nach Kanada sind Universitätsabsolventen, was unter anderem dazu führt, dass sie sich wesentlich leichter auf dem Arbeitsmarkt ihrer neuen Heimat integrieren: In Kanada sind 75 Prozent der Einwanderer zwischen 25 und 54 beschäftigt. In Deutschland sind es 70 Prozent – in weniger qualifizierten Jobs.
Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie mit dem Titel „Nach Punkten vorn

– Was Deutschland von der Zuwanderungs- und Integrationspolitik Kanadas lernen kann“ des Berlin-Instituts für Bevölkerung

und Entwicklung. Das Berlin-Institut hat vor allem zwei Faktoren für den Erfolg Kanadas ausfindig gemacht: Kanada verfolge seit Jahren eine Einwanderungs- und Anwerbepolitik, die gezielt den Fachkräftemangel entspannen soll und so nach Menschen mit Qualifikationen sucht, die auf dem kanadischen Arbeitsmarkt gebraucht werden.
Das – transparente – kanadische Punktesystem für Einwanderer gerät somit jenen zum Vorteil, die mit ihrer Ausbildung, ihren Sprachfähigkeiten und ihrem – jungen – Alter punkten können. Dieses System bringe vor allem Hochqualifizierte nach Kanada, so die Forscher. In Deutschland dagegen ist vor allem die Anerkennung ausländischer Abschlüsse eine große Hürde. Darüber hinaus kommt nur ein Achtel aller Zuwanderer aus Erwerbsgründen nach Deutschland.
Der zweite Faktor, warum sich Neubürger in Kanada wesentlich besser auf den Arbeitsmarkt integrieren, liegt in den Integrationshilfen, die Kanada allen Neuankömmlingen zur Verfügung stellt – und die schon vor der Einreise greifen, indem zum Beispiel Sprachkurse bereits im Herkunftsland angeboten werden. Von den Integrationshilfen in Kanada selbst profitieren auch Einwanderer, die schon länger im Land sind – und ihre Kinder. Schon der hohe Bildungsstandards der Elterngeneration, die als Hochqualifizierte nach Kanada kamen, sind Starthilfen.
Doch selbst jene Kinder, die nicht aus gutsituierten, hochgebildeten Haushalten kommen, schneiden im Vergleich mit Deutschland viel besser ab, wo es den nachfolgenden Generationen selten gelingt, die „Bildungslücke“ zu überspringen. Das kanadische Schulsystem meint es ernst mit der Chancengleichheit und fördert bei Bedarf in den Schulen besonders. Einwanderer gelten in Kanada als Chance für das Land. Nicht als Belastung!
Die Studie als PDF findet sich hier:

http://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Nach_Punkten_vorn/Kanada_final.pdf
Integration II – Ist Kanada ein Vorbild?
Ist Kanada ein Vorbild in Sachen Integration? Das nordamerikanische Land gilt als außerordentlich erfolgreich, wenn es um die Eingliederung von Zuwanderern geht. Das Bremer Institut für Kanada- und Québec-Studien (BIKQS) wollte es genauer wissen und holte für eine Tagung Anfang Februar Fachleute aus Kanada, Großbritannien und Belgien nach Bremen. Schulsysteme, Multikulturalität und Leistungssport sowie das Altern in einem mulitkulturellen Umfeld standen auf der Tagesordnung.

Wesentliche Aspekte waren dabei vor allem die schulische Bildung und die Integration von Einwanderern. Es ist kein Geheimnis, dass Bildung der Schlüssel zur gesellschaftlichen Integration ist, wie es die Konrektorin der Universität Bremen, Yasemin Karakasoglu, sagte.

Wer sich für die Tagung und die Vorträge interessiert, sollte die Website des BIKQS im Auge behalten: Hier sollen Videos der Vorträge veröffentlicht werden. http://www.fb10.uni-bremen.de/