Den roten Teppich ausgerollt für Kanada

Die DKG feiert 50 Jahre Werkstudierendenprogramm (Work & Travel) in Bad Hersfeld

Wenn sich in einer großen Halle alle Anwesenden von den Sitzen erheben und „O Canada“ erklingt, handelt es sich entweder um ein Eishockeyspiel oder das Jahrestreffen der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft. Bad Hersfeld bot den beeindruckenden Rahmen für eine Veranstaltung, die einmal mehr die Stärken der DKG ins rechte Licht rückte.

Bad Hersfeld versinnbildlicht die Metamorphose Deutschlands und des deutsch-kanadischen Verhältnisses. Aus der einstigen Zonenrandlage ins geografische Zentrum gerückt präsentiert sich die Stadt heute als Drehscheibe internationaler Logistikunternehmen wie Amazon, GLS, LIBRI und Hermes. Die Festspiele bieten ein Niveau, das sich mit den großen Bühnen im Land lässig messen kann. Und zahlreiche Bad Hersfelder waren bereits einmal in Kanada, wie der rege Zuspruch zur Leseraktion der HZ zeigt. Kanada erhielt auf so vielen Ebenen Aufmerksamkeit, dass sich ganz spontan Familie Wagner meldete, die gerade einen kanadischen Austauschschüler zu Gast hat. Dessen Eltern waren eben eingetroffen, um den Filius wieder abzuholen. Also liefen alle zusammen zum Festakt in der Schildehalle auf.

Dort standen die im Scheinwerferlicht, die wir getrost als nachwachsenden Rohstoff der internationalen Beziehungen bezeichnen können: Abiturienten und Studenten, die mit der DKG in den letzten 50 Jahren nach Kanada gereist sind. Was heute Youth Mobility heißt und jährlich 5.000 Visa umfasst, begann ganz klein, erinnerten Kanadas Botschafterin Marie Gervais-Vidricaire und der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth. Ausgerechnet mit Deutschland, dem Feind aus zwei Weltkriegen, schloss Kanada in den 60er Jahren das erste bilaterale Abkommen zum Jugendaustausch. Bereits 1964 entsandte die DKG, erst wenige Jahre zuvor von in Hannover stationierten kanadischen Soldaten und deren deutschen Gastfamilien gegründet, die ersten Studenten nach Übersee. Mittlerweile sind es mehr als 2.500 – eine reife Leistung für einen gemeinnützigen Verein, dessen professionelle Vermittlungstätigkeit keinen Profit generieren darf. Unverändert bietet sich die DKG Eltern als Partner an, die ihren Nachwuchs bestens vorbereitet und gut vernetzt ins kanadische Abenteuer entsenden möchten. Die DKG stellt sicher, dass die Englisch- bzw. Französischkenntnisse der Teilnehmer ausreichend sind. Sie bietet ein mehrtägiges Vorbereitungsseminar und die gemeinsame Anreise im Juli. Unter den Teilnehmern entsteht auf diese Weise vom Tag der Kandidatenauswahl an eine enge Verbindung, die auch im Ausland und nach der Rückkehr nicht abreißt.

Doch studentischer Austausch bedeutet noch viel mehr. Weil sich die DKG als Bindeglied zwischen (universitärer) Ausbildung und Einstieg in das Berufsleben versteht, hat sie mit dem vor drei Jahren aufgelegten Praktikanten-Programm eine zusätzliche Initiative gestartet, die Studenten im Hauptstudium wertvolle Jobreferenzen im Ausland vermittelt. Wie stark die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Deutschland und Kanada mittlerweile sind, veranschaulichte in Bad Hersfeld der Vortrag von  Dr. Jens Werdelmann von K+S. Dass der Sulfatabbau in Saskatchewan Rückwirkungen hat auf das heimische Geschäft der K+S Kali, ist Ausdruck der Globalisierung und ein weiteres Indiz für die Internationalität Bad Hersfelds.

Ein grandioses Gastspiel der Künstler Patrizia Margagliotta,  Lea Isabel Schaaf, Stephan Ullrich und Helgo Hahn rundete den Festakt ab, charmant kommentiert vom Intendanten der  Bad Hersfelder Festspiele, Holk Freytag. Für die DKG heißt es nun, wieder nach vorn zu schauen, denn so viel Belobigung legt die Messlatte für unsere künftige Arbeit erneut höher. Unser Engagement ist nur möglich, weil viele ehrenamtlich tätig sind. Um auch weiterhin Substanzielles auf die Beine zu stellen, müssen wir weiter wachsen und den Anteil jüngerer Kanada-Enthusiasten in der DKG vergrößern. Ein Anfang ist gemacht: Familie Wagner beschloss noch am selben Abend, sich in der DKG zu engagieren. Wir sind gespannt, wann wir die drei Söhne im Work and Travel-Programm begrüßen dürfen.