„Québec ist leistungsstark und weltoffen!“ Interview mit Ministerin Christine St-Pierre

„Zu Beginn des neuen Jahres möchten wir Ihnen eine neue Rubrik auf unserer Website vorstellen.  Wir erweitern unser Repertoire mit einer Interview-Reihe, in der wir DKG-Mitglieder, Alumni und Freunde vorstellen. Deutsche, die in Kanada leben sowie Kanadier, die inzwischen hierzulande wohnen und uns berichten, inwieweit die Einbindung in das andere Land und in die DKG ihre Biographie geprägt hat.  Wir freuen uns, Ihnen als Auftakt ein Interview mit Christine St.-Pierre zu präsentieren, Ministerin für Internationale Beziehungen und Frankophonie im Quebec.

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Es ist ihre dritte Auslandreise und ihr erster Besuch in Deutschland. Ministerin Christine St-Pierre ist in der Regierung Québecs zuständig für Internationale Beziehungen und die Frankophonie. In der Vertretung der Regierung von Québec in München trafen wir die Ministerin exklusiv zum Interview.

DKG: Der Anlass Ihrer Reise ist die 25-jährige Partnerschaft Bayern-Québec. Wo sehen Sie die Stärken dieser Kooperation?

Christine St-Pierre: Bayern und Québec sind wirtschaftlich sehr stark und ähnlich strukturiert: High-Tech, Umweltbewusstsein, Bildung und Kultur spielen eine große Rolle. Beide wollen wir unsere Netzwerke ständig erweitern. Unsere Zusammenarbeit beruht auf gegenseitigem Vertrauen. Wirsind jeweils sehr stolz auf unsere Identität und Herkunft. Bayern und Québec sind sparsam. Wir wollen zukünftige Generationen nicht durch heute aufgenommene Schulden belasten. Das Ziel Québecs ist es, 2015/2016 einen ausgeglichen Haushalt zu schaffen.

DKG: Was konnten Sie in den letzten Jahren gemeinsam erreichen?

St-Pierre: Mit Hilfe unserer Büros in Montréal und München pflegen wir vor allem wirtschaftliche und kulturelle Kooperationen. Im Juni 2014 wurden 60 Kooperationsprojekte aufgenommen, was die Gesamtzahl der seit 1989 auf den Weg gebrachten Projekte auf mehr als 600 erhöht!

DKG: In den kommenden Jahren wird sich Québec mit Themen von hoher Priorität auseinandersetzen. Ein großes Ziel ist die Umsetzung des Plan Nord. Vor welchen Herausforderungen stehen Sie bei diesem Projekt und warum ist die Unterstützung aus Deutschland dabei so wichtig?

St-Pierre: Der Plan Nord ist ein Großprojekt und auf 20 Jahre angelegt. Es soll Investitionen in der Größenordnung von 35 Milliarden Euro umfassen. Québec möchte diese technologische Herausforderung gemeinsam mit den dort lebenden Ureinwohnern und unter Beachtung strenger Umweltstandards angehen. Seltene Erden, aber auch Eisenerz sollen dort unter Berücksichtigung der Interessen der Ureinwohner abgebaut werden. Deutsche Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau sowie der Umwelttechnologie können hierbei erstklassige Dienste leisten.

DKG: Eine weitere Mission, die Sie in den nächsten Jahren vorantreiben wollen, ist die Seeverkehrsstrategie. Was ist hier Ihr Hauptanliegen?

St-Pierre: Wir möchten Québec zum Drehkreuz des internationalen Handels machen. Unser Fokus liegt dabei auf dem Sankt-Lorenz-Strom, der in Abstimmung mit den Anrainerprovinzen Kanadas und den USA als See- und Handelsweg ausgebaut werden soll. Nach dem großen Erfolg, den das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA für Kanada gebracht hat, hat Québec außerdem angeregt, ein ähnliches Freihandelsabkommen zwischen Kanada und der EU zu schließen (CETA). Québec ist sehr zuversichtlich, dass CETA in Kürze in Kraft treten kann, damit europäische und kanadische Unternehmen davon profitieren können.

DKG: Amtssprache der Provinz Québec ist Französisch. Für viele Einwanderer ist das eine Hürde, sich privat und beruflich in Québec niederzulassen. Warum sollte man sich dennoch für Québec entscheiden?

St-Pierre: Mehr als 42% der Québecer sprechen sowohl Französisch als auch Englisch. Somit ist die Quote der Zweisprachigkeit die Höchste innerhalb von ganz Kanada. Im Übrigen sind 11% der Québecer, auch dank der Einwanderung und Integration, dreisprachig. Québec ist eine Provinz voller verschiedener Kulturen und Sprachen. Québec vereint gekonnt europäische und nordamerikanische Einflüsse und ist ein idealer Nährboden für Kreativität und hat eine international vernetzte Kulturszene. Das Savoir-Vivre und die Lebensfreude seiner Bewohner haben mit einer Mischung aus spontaner Herzlichkeit und zwangloser Gastfreundschaft eine Mentalität geschaffen, die – wie ich finde – einmalig auf diesem Kontinent ist. Besuchen Sie uns einfach und Sie werden feststellen, dass es keine Hürden gibt – weder kulturell noch sprachlich. Mehr als 60 internationale Organisationen haben ihren Hauptsitz in Québec. Deren Mitarbeiter berichten mir, dass Sicherheit, Vielfalt und die sehr gut ausgebildeten und hart arbeitenden Québecer den Ausschlag gegeben haben. Wer Nordamerika wirtschaftlich erschließen möchte, findet in Québec, wo die Beherrschung von Fremdsprachen spielend vorgelebt wird, einen ausgezeichneten Standort für sein Headquarter.

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