Deutsch-Kanadische Eindrücke: Interview mit Marc Lalonde

Marc Lalonde: Ein Kanadier mischt in der deutschen Politik mit.

Marc Lalonde kommt aus Montreal und lebt seit circa 18 Jahren in Dresden.  Er ist Englisch Lektor an der Technischen Universität Dresden und war Mitglied des Ausländerbeirats.  Marc engagiert sich sehr für seine Mitmenschen und ist der erste Kanadier, (meines Erachtens) der in Deutschland Politik macht.  Er war auch mehrere Jahre, Präsident des Freundeskreis Québec-Deutschland.

DKG:  Du lebst, seit Du in Deutschland bist, in Dresden.  Was schätzt Du am meisten an dieser Stadt?

Dresden ist eine wunderschöne Stadt. Von meiner Wohnung habe ich 100m bis zur Elbe, 200m bis zur Heide, 500 bis zur Kneipenszene und 1000m bis zum historischen Zentrum: Eine perfekte Mischung mit einer sehr hohen Lebensqualität und einem spitzen kulturellen Angebot! Die Umgebung ist auch toll: Sächsische Schweiz und Erzgebirge sind wirklich nicht weit. Wir sind auch genau in der Mitte zwischen Berlin und Prag, 2 grandiose Städte!

DKG: Was empfandst Du als größte Herausforderung in den ersten Jahren in Deutschland?

Naja, ich musste meine Sprachkenntnisse verbessern und musste mich an die sehr direkte deutsche Art gewöhnen.

DKG:  Was fehlt Dir am meisten aus Kanada, bzw. Montréal?

Selbstverständlich meine Familie, an der ersten Stelle. Früher habe ich auch immer „ein Ferienhaus“ gesagt, aber das hat sich erledigt, weil ich eins im Erzgebirge gekauft habe! Die lockere quebecische Art fehlt mir auch, sowie ein richtiger Winter.

DKG:  Du bist Mitglied des Ausländerbeirats der Stadt Dresden.  Auch Vorsitzender bist Du dort bereits gewesen.  Wie kamst Du zur Politik?

Naja, Ende 2014 bin ich zurückgetreten nach 5 vollen und intensiven Jahren. Ich kam dazu, weil ich als Drittstaatler überhaupt kein Wahlrecht außer beim Ausländerbeirat habe: Ich darf nicht mehr in Kanada wählen und nach 18 Jahren darf ich immer noch nicht in Deutschland wählen. Das war schwierig für einen „Political Junkie“ wie ich. Es blieb nur der Ausländerbeirat Dresden, zuerst als Wähler, dann als Kandidat, Mitglied und Vorsitzender! Ich war auch Koordinator des Sächsischen Migrantenbeirats und Stellvertretender Vorsitzender des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrats.

DKG: Wie wichtig ist es, sich für den Ausländerbeirat zu engagieren?  Wie siehst Du deine Rolle?

Man muss immer für seine Rechte kämpfen! In Deutschland muss ich Steuern zahlen, aber ich darf nicht mitbestimmen, was mit „meinem“ Geld gemacht wird. Dazu gibt es noch viel Diskriminierung, obwohl ich als weißer Migrant nie Probleme hatte…

DKG: Inwiefern differieren Deiner Meinung nach die Punkte, welche im Dresdener Beirat besprochen werden von denen in anderen großen Städten, wie beispielsweise in Hamburg oder München (im Ausländeramt)?

Der größte Unterschied für mich ist, dass wir mit der NPD im Stadtrat und bis 2014 auch im Landtag zu kämpfen haben. Die sächsische CDU ist auch viel konservativer als im Westen und hier nicht immer „migrantenfreundlich“… Der Ausländeranteil ist auch viel geringer: Nur 4 % in Dresden und 2 % in Sachsen!!!

DKG:  Was macht der Ausländerbeirat in Bezug auf Pegida?

Der Beirat ist sehr aktiv bei allen Gegendemos und organisiert viele Veranstaltungen, um das Thema „Asyl“ richtig zu erklären.

DKG:  Was ist der wichtigste Punkt, den Deutschland in seiner Politik im Bezug auf Migranten verbessern könnte?  Warum?

In dieser Zeit von Globalisierung muss Deutschland die Einbürgerung erleichtern und die doppelte Staatsangehörigkeit erlauben. Deutschland ist eine multikulturelle Gesellschaft geworden und profitiert viel davon, aber nicht alle sind bereit, das zu akzeptieren.

DKG: Was macht Deutschland für dich so interessant?

Meine Frau und mein Stiefsohn! Meine Arbeit. Die Politik. Die Lage: In Dresden wohne ich 30 Minuten von der Tschechischen Republik, 60 Minuten von Polen, usw.

DKG: Viele Deutsche träumen von einem Leben in Kanada.  Es sind auch umgekehrt viele Kanadier hier in Deutschland.   Was macht die gute Beziehung von Kanada-Deutschland aus?

Na, wahrscheinlich weil wir es mit 2 ähnlichen, reichen, westlichen, demokratischen Industrieländern zu tun haben.

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