Ein Tag auf dem Pow Wow Festival in Cowessess

Unsere letzte Praktikantin war so lieb um für uns über ihre Erfahrung in Kanada zu berichten.

Vielen Dank Laura!

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Ein Tag auf dem Pow Wow Festival in Cowessess

Schon von weitem erklang das Geräusch der Trommeln und der melodische Gesang der Sängergruppe. Langsam näherte sich unser Jeep dem Cowessess Reservat in der Nähe von Regina (Saskatchewan). Meine indianische Klassenkameradin Chasity hatte mich an diesem schönen Sommertag im Juli zu einem traditionellen Pow Wow Festival (indianische Tanzwettbewerbe) mit ihrer Familie eingeladen. Schon bei unserer Ankunft herrschte bereits ein emsiges Treiben. Überall waren Indianer des Cree-Stammes dabei ihre Stände rund um die Pow Wow Arena aufzubauen. Es gab Verkaufsstände mit traditionellen Speisen und Getränken, sowie traditionellen Kunsthandwerk z.B. handgefertigter Schmuck, Taschen, Moccasins, Decken. Mitten in dem Getümmel spielten Kinder Nachlaufen, Tanzgewänder wurden anprobiert und die Sänger übten für ihren Auftritt. Es versprach ein ganz besonderer Tag zu werden… Chasity und ihre Familie hatten auch einen eigenen Wagen, an dem sie selbstgebackenes Bannockbrot, Suppe und Früchte verkauften. Ich half Chasity’s Eltern das Essen für den Verkauf vorzubereiten, während ihre Töchter schon für den bevorstehenden Tanzwettbewerb hergerichtet wurden. Sie zogen ihre Pow-Wow Tanzgewänder an, wurden geschminkt und frisiert und probten noch einmal ihre Tanzschritte. Chasity erzählte mir, dass sie selbst Kinder und Teenager im Pow Wow Tanzen unterrichtet und jedes Jahr im Sommer zu Pow Wow Festivals mit ihren Töchtern reist, die schon viele Preise gewonnen hatten. Während den Vorbereitungen kamen immer wieder Verwandte von Chasity vorbei, die ganz neugierig waren, eine Deutsche kennenzulernen. Offensichtlich hatten sich noch nicht viele Deutsche in diese Gegend verirrt. Umso schöner für mich, Teil dieser wunderbaren Zeremonie zu sein.

Dann war es endlich soweit. Der Pow Wow begann. Ein gutgelaunter Mittfünfziger (Master of Ceremonies) begrüßte die anwesenden Gäste. Der Beginn wurde mit dem großen Einzug (Grand Entry) eingeleitet, bei dem ein Geistlicher, Kriegsveteranen mit Flaggen, Tänzer und die Pow Wow Prinzessin begleitet von der Musik der Trommelgruppe in die Arena einliefen. Die Flaggenträger trugen die kanadische Flagge, die amerikanische Flagge und Fahnen der restlichen Nationen, aus denen die Tänzer kamen. Danach wurde ein Lied zu Ehren der Flaggen (Flag Song) gesungen, um die Nation zu ehren bei der die Soldaten gekämpft hatten und ein Ehrenlied (Honor Song), das zu Ehren der gefallenen Veteranen gesungen wurde. Im Anschluss daran folgte der Tanzwettbewerb, angefangen von den kleinsten (Tiny Tots) bis zu den ältesten Tänzern (Golden Age). Die erste Tanzkategorie war der traditionelle Tanz der Männer (Men’s Traditional), dessen Ursprung auf die alten Kriegstänze der Plainsindianern zurückgeht. Die Bewegungen der Tänzer erinnerten an das Spurenlesen und Ausschau halten nach Feinden, während die Kleidung besonders durch den Bustle, ein großes Federrad auf dem Rücken der Tänzer, auffiel. Darauf folgte der Gras-Tanz (Men’s Grass Dance), bei dem die Krieger das Präriegras für Zeremonien flach tanzen. Ihre Gewänder waren mit Wollfransen verziert, die das im Wind wiegende Grass symbolisieren. Anschließend folgte der Men’s Fancy Feather Dance, der mir durch besonders viele bunte Federn und schnelle Schritte in Erinnerung blieb. Dann kamen die Frauen an die Reihe und auch hier wurde mit dem traditionellen Tanz (Women’s Traditional) begonnen. Dieser Tanz beeindruckte mich durch die verhaltenen und würdevollen Tanzschritte der Frauen, die sich im Rhytmus der Trommeln bewegten. Chasity erzählte mir, dass die Auf- und Abbewegungen symbolisch für den Blick in die Ferne und das Warten der Frauen auf ihre heimkehrenden Männer stehen. Anschließend wurde der Klingelkleid-Tanz (Women’s Jingle Dress Dance) getanzt, der durch seine vielen kleinen Klöckchen an den Gewändern bestach. Früher wurden die Klöckchen aus Hirschhufen gefertigt, doch heutzutage werden sie aus den gedrehten Deckeln von Schnupftabakdosen hergestellt. Der letzte Tanz an diesem Tag war der Schultertuch-Tanz (Women’s Fancy Shawl Dance), der schnellste und kraftvollste Tanz der Frauen. Die Tänzerinnen trugen einen großen Schal um ihre Schultern und ihre Bewegungen glichen dem eines fliegenden Schmetterlings. Nachdem ich alle Tänze gesehen hatte, kann ich nicht beurteilen, welcher mir am besten gefallen hat, denn jeder für sich ist einfach einzigartig und wunderschön. Zum Abschluss der Zeremonie kam das Highlight, da alle Zuschauer und Tänzer zum Intertribal-Tanz auf die Tanzfläche gerufen wurden. In dieser Tanzkategorie kann jeder teilnehmen, auch ohne Tanzkleidung. Darauf folgte die Siegerehrung und ein Give-Away, bei dem Decken, Handschuhe und allerlei nützliche Dinge verschenkt wurden. Ich bekam eine wunderschöne handgefertigte Decke geschenkt, die ich noch lange Zeit in Ehren halten werde.

Am Ende dieses ereignisreichen Tages schlief ich sehr müde und glücklich in Chasity’s Elternhaus ein. Es war ein unvergessliches Erlebnis, das mich sehr fasziniert und berührt hat. Ich bin Chasity sehr dankbar für ihre offene, freundliche und herzliche Art, mit der sie mich in ihrer Familie aufgenommen hat. Zusätzlich zu dieser Herzenswärme bekam ich bei der Verabschiedung sogar noch traditionellen indianischen Schmuck geschenkt. Ein ganz besonderer Tag, den ich für immer in Erinnerung behalten werde…