Deutsch-Kanadische Eindrücke: Interview mit Eishockeyspieler Leon Draisaitl

Hoffnungsträger in Edmonton – ein Gespräch mit Leon Draisaitl

By: Anton Rizor

Leon Draisaitl spielt Eishockey für die Edmonton Oilers in der besten Liga der Welt – der National Hockey League (NHL). Der gebürtige Kölner Draisaitl ging mit 16 Jahren bereits nach Kanada, um in Prince Albert,  Saskatchewan Junior Hockey zu spielen. Seit diesem Zeitpunkt ging seine Karriere steil bergauf.  Aktuell steht er mit anderen Jungstars für die Zukunft bei den Edmonton Oilers. Das Traditionsteam möchte an die Stanley Cup-Erfolge mit Wayne Gretzky und Co.  aus der Vergangenheit anknüpfen. Draisaitl ist deutscher Nationalspieler.

DKG: 2014 wurden Sie ab dritter Stelle im NHL Draft von den Edmonton Oilers gewählt. Damit sind Sie als höchster Deutscher in allen US-Sports gewählt worden (Basketballer Dirk Nowitzki wurde an 9. Stelle in 1998 gewählt). Sind Sie sich dieser Ehre bewusst und wie kommen Sie mit dem Druck klar, der automatisch auf einem so prominenten Draft-Pick lastet?

Leon Draisaitl: Es ist natürlich eine Ehre, der am höchsten gedraftete Deutsche zu sein, aber ich habe noch viel Arbeit vor mir. Mit dem Druck muss man umzugehen lernen. Jeder Sportler, der nach ganz oben möchte, muss mit dem Druck umgehen können!

DKG: Nach einem schwierigen ersten Jahr gewann Ihr Team den ersten Draft Pick 2015. Dadurch kam Connor McDavid, den viele schon mit Sidney Crosby und Wayne Gretzky verglichen haben, nach Edmonton. Wie haben Sie den Hype um McDavid und sein erstes Jahr in Edmonton bislang erlebt?

Draisaitl: Der Hype ist riesig und auch gerecht fertigt. Connor ist ein ganz besonderer Spieler. Er wird eine lange grossartige Karriere haben.

DKG: In den letzten Monaten lief es sehr gut für Sie, insbesondere wurde Ihr Zusammenspiel mit Taylor Hall gelobt. Im Edmonton Journal wurde sogar über eine mögliche Teilnahme am All-Star Game spekuliert. Dennoch haben die Edmonton Oilers weiterhin Probleme, auch wegen anhaltender Verletzungen (u.a. McDavid). Was sind Ihre Ziele für Ihre persönliche Entwicklung und mit der Mannschaft?

Draisaitl: Ich denke persönlich einfach so weiter machen wie zurzeit. Nächstes Jahr möchte ich einen weiteren Schritt nach vorne machen. Als Team denke ich, dass wir in die richtige Richtung gehen – es geht auf jeden Fall bergauf und das ist sehr wichtig gerade jetzt.

DKG: Bevor Sie gedraftet wurden, haben Sie 2 Jahre sehr erfolgreich für die Prince Albert Raiders in der Nachwuchsliga Western Hockey League (WHL) gespielt. Was hat Sie dazu bewegt, Ihr Zuhause mit bereits 16 Jahren zu verlassen und ins ferne Saskatchewan zu ziehen?

Draisaitl: Es war immer mein Traum, in der NHL zu spielen. Ich dachte zu dem Zeitpunkt, dass es für mich persönlich der beste Weg wäre, nach Kanada zu gehen. Ich würde es genauso wieder tun, wenn ich es wiederholen müsste!

DKG: Während Ihrer ersten Saison wurden Sie einige Zeit zu den Kelowna Rockets (WHL) ausgeliehen. Welche Stadt, Prince Albert, Kelowna oder Edmonton gefällt Ihnen am besten?

Draisaitl: Ich denke, dass alle Städte sehr verschieden sind. Alle hatten schöne Seiten.

DKG: Zuletzt wurde beim Weltwirschaftsforum eine Studie vorgestellt, in der die Lebensqualität verschiedener Länder verglichen wurde. Deutschland wurde vor Kanada als bestes Land erkoren. Sie haben lange in beiden Ländern gelebt. Wie hätten Sie sich entschieden?

Draisaitl: Es sind verschieden Länder und beide haben sehr, sehr schöne Orte. Ich mag beide Länder sehr, allerdings dadurch, dass ich Deutscher bin, denke ich ist es normal, dass ich Deutschland nehmen würde

DKG: Was vermissen Sie aus Deutschland in Kanada?

Draisaitl: Meine Familie und Freunde vermisse ich am meisten – und die Stadt Köln.

DKG: Sie haben die deutschen Juniorennationalmannschaften durchlaufen und  schon für die Herren gespielt, als Sie noch in der WHL waren. Nun haben Sie signalisiert, dass Sie durchaus gerne für die deutsche Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft dieses Jahr in Russland teilnehmen wollen. Oft lassen deutsche Stars in Nordamerika dieses Turnier aus, um sich von der Saison zu erholen und auf die neue vorzubereiten. Wie wichtig ist die Nationalmannschaft für Sie?

Draisaitl: Es ist sehr wichtig für mich! Ich bin Deutscher und ich möchte meinem Land helfen in solchen Turnieren.

DKG: Ihr Vater Peter war ebenfalls deutscher Nationalspieler, hat 146 Spiele mit dem Adler auf der Brust gemacht. Unter anderem war er Teil der deutschen Equipe bei den Olympischen Spielen in Calgary in 1988, in Albertville in 1992 und in Nagano 1998 (inklusive dem berüchtigten Penalty, der im Viertelfinale 1992 auf der Linie liegen blieb). Lange Jahre hat er in der Bundesliga und später in der Deutschen-Eishockey Liga unter anderem für Mannheim, Köln und Essen gespielt. Aktuell trainiert er den HC Pardubice in Tschechien. Wie groß schätzen Sie seinen Einfluss auf Ihren Werdegang ein?

Draisaitl: Sehr groß! Mein Vater war schon immer meine größte Hilfe und Stütze! Er hat mir immer geholfen mit Tipps und erklärt, was ich besser machen kann. Er hat einen  großen Anteil daran, wo ich jetzt bin.

DKG: Welche Tipps würden Sie jungen Eishockeyspielern in Deutschland geben, die den Wunsch hegen,  eines Tages in der NHL zu spielen?

Draisaitl: Harte Arbeit zahlt sich aus, und es gibt immer einen Weg , dort hinzukommen, wo man hin möchte!