Interview mit einem WSPler – Work and Travel Magazin

Panoramic view of Tofino, Vancouver Island, Canada36206851 | Urheber: markskalny Fotolia.com

Philipp Dukatz , der für das Work and Travel Magazin schreibt, hat ein Interview mit WSP Teilnehmer

Bogdan Yakivchuk gemacht welches wir hier für Sie präsentieren:

w&t/magazin: Bogdan, du bist erst vor kurzem aus Kanada zurückgekehrt, wo du ein Jahr auf dem Working Holiday Visum verbracht hast. Erzähle uns doch bitte vorab ein wenig zu deinem Hintergrund. Was hast du vorher in Deutschland gemacht?

Ich komme ursprünglich aus der Ukraine, habe aber den größten Teil meiner Jugend und im Endeffekt meines Lebens in Berlin verbracht. Dort habe ich auch mein Abitur gemacht und mich danach für ein Studium entschlossen. Ich habe Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Energiewirtschaft und Energielogistik studiert und meinen Bachelor-Abschluss im letzten Jahr, kurz vor meiner Abreise nach Kanada, gemacht. Ich bin dann im April in Kanada angekommen – das Ganze organisiert über ein Programm der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft.

w&t/magazin: Was hat dich letztendlich bewogen, nach Kanada zu kommen?

Wenn ich es kurz fassen soll, fallen mir die Schlagworte Wanderlust, Neugier, unberührte Natur und Kanadas gutes Image ein. Aber letztendlich war ich schon immer an Kanada als Land interessiert. Privat aber auch durch mein Studium, indem es viel um das Thema erneuerbare Energien ging. Hier in Kanada spielt Wasserkraft eine enorm große Rolle, von daher war auch das ein Grund.
Australien und Neuseeland, in die es ja noch immer die meisten Work & Traveller zieht, waren mir genau aus dem Grunde schon etwas zu bekannt. Was mich an Kanada besonders fasziniert hat, ist die Kombination von Bergen und Meer. Das macht es schon einmalig. Zu guter Letzt waren auch sicherlich die spannenden Berichte von Freunden, die bereits vor mir in Kanada waren, ein ausschlaggebender Punkt. 

w&t/magazin: Das letzte Mal, als wir uns gesprochen haben, warst du noch in Tofino auf Vancouver Island und hast in einem Resort gearbeitet. Danach ging es für dich weiter nach Whistler, in den Schnee. Wo genau hast du dort gearbeitet und was genau waren deine Tätigkeiten?

Nach Tofino und meinem Job auf dem zur Middle Beach Lodge gehörendem Campingplatz, habe ich in Whistler etwas völlig anderes gemacht. Ich habe während meiner Zeit dort in zwei Restaurants gearbeitet. Eines davon war direkt in Whistler Village, also mitten im Ort, wo sich auch alle Hotels etc. befinden. Das andere lag oben auf dem Berg. In beiden Restaurants habe ich vorwiegend als Prep Cook, also als derjenige, der den „richtigen“ Kochs zuarbeitet, oder an den Food Stations als Servierer und Zubereiter gearbeitet.

w&t/magazin: Bitte fasse doch auch noch einmal deinen Aufenthalt in Tofino an der Westküste zusammen. Wie hat sich dein Aufenthalt dort gestaltet?

Tofino ist definitiv ein ganz einzigartiger Ort, dem ich jedem Kanada-Traveller ans Herz legen würde. Die Menschen sind dort sehr angenehm, unaufgeregt, locker und maßgeblich von der Schönheit und Ursprünglichkeit der Natur geprägt. Über den gesamten Sommer habe ich auf dem Campingplatz gearbeitet, und dafür gesorgt, dass die Campsites immer sauber und gepflegt für die neu ankommenden Gäste waren. Auch wenn der Job eher einfach war, so war ich doch mitten im Paradies – draußen in der Natur und direkt am Meer. Nach der Arbeit hat man sich dann mit Freunden getroffen, ist wandern gegangen, hat sich zum Surfen verabredet oder hat den nächsten Camping-Trip geplant. So gut wie jeden Abend gab es ein Lagerfeuer am Strand, wo man den Abend ausklingen lassen konnte.

Neben der täglichen Arbeit bestanden meine Tage aus Erleben, Entdecken und Genießen. Das war schon einmalig und das ist auch etwas, was ich aktuell in Deutschland ein wenig vermisse.

w&t/magazin: Wie bist du letztendlich an deine Jobs gekommen und wie bist du die Jobsuche angegangen?

Meinen ersten Job in Tofino habe ich über die Deutsch-Kanadische Gesellschaft vermittelt bekommen. Das war quasi Teil des Programms, an dem ich teilgenommen habe. Für den Start war das auch wirklich gut, da ich so von vornherein Gewissheit hatte, dass ich nicht mit leeren Händen dastehen werde.
In Whistler habe ich mich dann direkt vor Ort beworben. Was in Deutschland fast undenkbar ist, ist in Kanada überhaupt kein Problem und sogar eher die Regel. Ich bin also nach Whistler gereist und habe mich dann vor Ort bei potentiellen Arbeitgebern persönlich vorgestellt und nach einer Anstellung gefragt. Wenn man zur richtigen Zeit ankommt, ist die Chance so einen Job zu bekommen wirklich groß. Rückblickend glaube ich, dass das auch in Tofino geklappt hätte.

w&t/magazin: Hattest Du vorher bereits Erfahrung in den Bereichen, in den Du gearbeitet hast, oder war das etwas völlig Neues für Dich?

Nein, ich hatte absolut keine Erfahrung – weder was die Arbeit auf dem Campingplatz noch die Arbeit in der Gastronomie angeht. Gerade Letzteres war für mich völliges Neuland. Aber auch das ist eine tolle Sache an Kanada. Man bekommt hier viel eher eine Chance sich zu beweisen, auch wenn man auf dem Papier vielleicht keine Erfahrung vorzuweisen hat. Mit dem Training on the Job, was man hier in der Regel bekommt, und entsprechend Engagement passt es dann häufig auch.

w&t/magazin:  Was für Fähigkeiten sollte man trotz allem Deiner Meinung nach für die Arbeit in Kanada mitbringen?

Man sollte auf jeden Fall fleißig sein, denn für die Chance, die man hier bekommt, wird auch Leistung erwartet. Wichtig ist auch, bei Herausforderungen nicht gleich aufzugeben. Und Herausforderungen gibt es eigentlich immer, da die Jobs, die man hier bekommt, fast immer Neuland sein werden. Fragen hilft hier unheimlich viel und das wäre auch schon der nächste Tipp: ruhig fragen wenn man etwas nicht versteht oder unsicher ist. Die meisten Kanadier sind sehr nett und hilfsbereit und kennen die Situation selbst sehr gut, in einem neuen Job anzufangen.

w&t/magazin:  Letztlich hast du die beiden größten Highlights Kanadas in ein Working Holiday Abenteuer gepackt. Sonne, Strand und Surfen in Tofino und Berge, Schnee und Snowboarden in Whistler. Was waren neben dem Wetter die größten Unterschiede für dich?

Es gibt zwischen den beiden Orten große Unterschiede – und das nicht nur in Punkto Natur und Wetter. Tofino ist ein sehr entspannter und fast schon paradiesischer Ort, der im Sommer durch Surfer, den ein oder anderen Hippie und die Touristen geprägt ist. Das bringt automatisch ein ganz besonderes Flair mit sich, das einen schnell ansteckt.
In Whistler dreht sich das Leben um Sport – im Winter um Skifahren und Snowboarding und im Sommer um das Mountainbiking. Der Tourismus ist dort viel ausgeprägter und aufgrund der Masse, sowohl an Touristen als auch Angestellten, geht man deutlich mehr in der Menge unter. Gleichzeitig gibt es in Whistler dafür auch wesentlich mehr Bekanntschaften.

w&t/magazin:  Whistler vs. Tofino! Wenn du jetzt mit etwas Abstand zurückschaust, welche der beiden Stationen war eher dein Highlight und warum?

Ich würde eher Tofino sagen. Tofino hat mich persönlich mehr berührt und mich auch verändert. Ich kann es nur schwer in Worte fassen, aber der Ort an der Westküste, „at the end oft he road“ wie die Kanadier sagen, ist in meinen Augen etwas wirklich Einmaliges. Tofino ist ein Naturspektakel. Die Pazifikküste, der tropenähnliche Wald und die kleinen Inseln ringsherum verzaubern einen regelrecht.
Generell lassen sich die beiden Orte jedoch sehr schwer gegenüberstellen. Sie sind absolut unterschiedlich, gerade auch aufgrund der Atmosphäre. Das soll aber nicht heißen, dass ich meinen Aufenthalt in Whistler bereue, ganz im Gegenteil. Ich war dort wirklich jeden Tag aktiv und bin bei den sportlichen Aktivitäten oft an meine Grenzen gegangen. Auch das hat mich ganz neue Seiten an mir entdecken lassen.

w&t/magazin:  Du hast Erfahrung in zwei Jobs und in zwei unterschiedlichen Regionen Kanadas gesammelt. Wie gestaltet sich aus deiner Sicht das Leben und Arbeiten in Kanada im Vergleich zu Deutschland?

Ich hatte das Gefühl, dass es in Kanada alles etwas leichter und weniger bürokratisch funktioniert als bei uns daheim in Deutschland. Viele Dinge, wie zum Beispiel ein Job oder eine Unterkunft, ergeben sich manchmal von ganz alleine. Viele Kanadier richten danach ihr Leben aus, ziehen von einem Ort in den nächsten, im Wissen, dass sich so oder so etwas für sie ergeben wird.
Auch die Arbeitsatmosphäre fand ich generell sehr locker. Das macht das Arbeiten relativ angenehm, wogegen es in Deutschland sehr schnell stressig werden kann. Auch erscheinen hier die Hierarchien oft flacher.

w&t/magazin:  Für angehende Work and Traveller in Kanada stellt sich anfangs immer die Frage: „Wo will ich überhaupt hin? Was will ich überhaupt machen?“ Was würdest du jemanden in dieser Situation aus deiner Erfahrung heraus raten?

Auch nach einem Jahr in Kanada ist mein Einblick natürlich begrenzt, denn das Land ist riesig und ich habe letztlich nur zwei Stationen gemacht. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus aber auch aufgrund der Erzählungen meiner Freunde, würde ich sagen, dass British Columbia ein Muss ist. Gerade Vancouver Island ist ein Highlight, das ich jedem empfehlen würde.
Zudem würde ich raten, losgelöst vom letztlichen Reiseziel in Kanada, sich wegen einem Job nicht verrückt zu machen. Wenn man einen Job finden möchte, funktioniert das aus meiner Sicht am besten direkt vor Ort und persönlich. Wenn man dann noch ein bisschen Geduld und Selbstvertrauen mitbringt, klappt der Rest von ganz alleine.

w&t/magazin: Ein Jahr Kanada ist eine lange Zeit, in der du sicher viel erlebt und gesehen hast. Was war dein eines, absolutes Highlight?

Es gibt wirklich kein absolutes Highlight für mich. Ich hatte so viele Momente, die rückblickend einzigartig waren. Das erste Mal auf einem Surfboard stehen und eine Welle reiten, Wandern im Regenwald, Bergsteigen, einen Bären direkt vor der Haustür zu treffen mit dem Snowboard zur Arbeit zu fahren und noch so vieles mehr. Das sind alles ganz unvergessliche Highlights.

w&t/magazin: Wie sieht deine Planung aus, jetzt da du wieder zu Hause in Deutschland bist? Möchtest du irgendwann nochmal nach Kanada zurückkommen?

Ja, in jedem Fall möchte ich irgendwann wieder nach Kanada. Aber als nächstes steht erst einmal mein Master-Studium an. Und wenn ich danach weiter reisen möchte, dann gibt es weitere schöne Orte auf dieser Welt, die ich davor noch gerne entdecken würde.

w&t/magazin: Zu guter Letzt: Manche sehen so ein Jahr im Ausland noch immer kritisch. Sie haben Angst, den Anschluss zu verlieren und wollen nicht die Lücke im Lebenslauf, die ja eigentlich keine ist. Was würdest du jemanden mit solchen Gedanken nach einem Jahr Ausstieg in Kanada als Work and Traveller sagen wollen?

Ich hatte vor meiner Reise auch solche Gedanken bzw. Sorgen gehabt. Rückblickend finde ich jedoch, dass eine solche Erfahrung wesentlich mehr Wert ist als eine vermeidliche Lücke im Lebenslauf. Ich finde es ist keine Lücke sondern eine persönliche Bereicherung für das Leben. Man lernt nicht nur eine andere Kultur und Sprache sondern auch eigenständig und bewusst zu handeln, sich neuen Herausforderungen zu stellen und ganze neue Situationen zu meistern. Diese Fähigkeiten sind auch grundlegend für jeden, der eine erfolgreiche Karriere machen möchte.