Verena Held – ein Jahr in Kanada

Abenteuer Kanada

Wie 12 unvergessliche Monate begannen…
Schon während des Abiturs stand für mich, genau wie für viele Andere die Frage an, wie geht es weiter. Für mich stand fest, dass ich ein Jahr im Ausland Erfahrungen sammeln möchte; doch wo und was genau? Ich wollte frei sein, mein Englisch aufbessern, andere Kulturen kennenlernen, etwas von der Welt sehen. Was ist da geeigneter als Work and Travel Aufenthalt auf einem anderen Kontinent? Langsam fiel die Entscheidung; es musste Kanada sein, ein Land mit unglaublicher Weite, wenig Menschen und einem komplett ursprünglichem Lebensstil, etwas ganz anderes als die Großstadt Berlin.
In diesem Bericht geht es um eine Zeit in meinem Leben, in der ein Abenteuer dem Anderen folgte, mit Eindrücken von Iceroads (Straßen aus Eis), endlosen Wäldern, Stürmen, Bären, fremden Städten, Erlebnissen, ach einfach Erfahrungen, die ich nicht missen möchte und die mir auch niemand wieder wegnehmen kann. Man lernt sich selbst von einer anderen Seite kennen…

Das Abenteuer beginnt…
Vor ca. eineinhalb Jahr, begann die unglaublichste Zeit meines Lebens . Am zweiten September 2016 ging es mit dem Flugzeug los nach Kanada. Über 24 Stunden war ich unterwegs bis ich endlich an meinem Zielort ankam. Das Abenteuer konnte beginnen.
Am Flughafen in Kamloops, ein paar Stunden nördlich von Vancouver, wurde ich von den Rainers abgeholt und es ging zunächst für sieben Wochen auf die Rainer Farm. Hier sollte ich auch mein erstes Thanksgiving erleben. Das konnte natürlich nicht ohne Vorbereitungen geschehen. Eines Tages mussten die Truthähne zum farmeigenen Schlachthof getrieben werden mit Emma, einem Huhn, das dem Schlachten seit Wochen sicher entkommen war. Etwas gewöhnungsbedürftig war ca. eine Woche später die Essenseinladung, um Emma zu verspeisen.
Bei den Rainers lernte ich die kanadischen Lebensweise schon ein wenig kennen; doch nach ein paar Wochen fragte ich mich „Wie geht es weiter?“

Grüne Lichter, die am Himmel tanzen…
Es folgten Bewerbungen in diversen Skigebieten. Zufällig entdeckte ich ein Jobposting. Auf einer Farm mitten im Nirgendwo, in Yukon, wurden Leute gesucht. Ich habe einfach mal angefragt und prompt hatte ich den Job. Nun musste ein Flug organisiert werden. Dann, Mitte Oktober, ging mein Flug von Kamloops über Vancouver nach Whitehorse. Dort habe ich zwei Wochen in einem Hostel verbracht. Auch der erste richtige Kälteschub und Schnee ließen soweit nördlich, nicht lange auf sich warten. Die Zeit in Whitehorse war sehr ereignisreich. Unter Anderem bin ich mit Bella, einer anderen Deutschen, auf den Greymountain gewandert. Nach einigem Wandern bot sich die Gelegenheit, ein Stück des Weges zu hitchhiken. Der nette Herr, der uns mitnahm, fuhr uns sogar weiter als er eigentlich fahren wollte. Ich war beeindruckt von der kanadischen Freundlichkeit. Anschließend sind wir weitergewandert. Nach vielen Stunden sind wir oben auf dem Greymountain angekommen. Zusammen mit viel Wind und leckerem Weihnachtsstollen konnten wir Whitehorse und die Umgebung von oben genießen. Der Yukon ist einfach atemberaubend! Da blieb das Fotoshooting natürlich nicht aus; wer hat schon Bilder, auf denen die Luft vor Kälte nur noch weiß aussieht?

Die unglaubliche Natur durfte ich noch öfter genießen. Ein Highlight war auf jeden Fall die Schlittenhundtour kurz nach dem ersten Schnee und dann auch die Nordlichter. Wenn es doch nur nicht so kalt wäre zu der Zeit, wo grüne Lichter am Himmel tanzen.

Doch auch die Zeit in Whitehorse war irgendwann zu Ende. Nun ging es weiter nach Pelly Crossing, auf die Farm. Sue die Farmerin holte mich in Whitehorse ab; dann fuhren wir fünf Stunden ins Nirgendwo. In Whitehorse sagte ich ihr noch, ich werde auf keinen Fall beim Kühe schlachten helfen: doch es kam anders. Auf der Farm habe ich unglaublich viel gelernt.

Als deutsches Großstadtkind kennt man es einfach nicht, morgens rauszugehen und erstmal Feuer unter der Kuhtränke zu machen, damit dass Wasser auftaut und später die Tiere trinken können, genauso wenig wie gefrorenes Heu zu füttern oder wie wichtig es auch ist, immer ein Feuerzeug dabei zu haben.

Strom hatten wir auf der Farm nur, wenn der Generator lief. Handyempfang oder mobiles Internet gab es gar nicht erst. Wir hatten nur batteriebetriebene Lampen. Also konnten wir nur ca. einmal die Woche das Handy laden oder duschen oder mit Dales Computer Emails schreiben, um Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen. Man glaubt gar nicht, wie viel Zeit man hat zu lesen, sich zu unterhalten oder auch einfach seinen Gedanken nachzuhängen. Denn die Wahrscheinlichkeit auf andere Menschen zu treffen lag dort bei ungefähr null. Da war es wahrscheinlicher nachts auf dem Weg vom Haupthaus zu unserer Hütte auf einen Wolf zu treffen.

Auch diese Zeit sollte irgendwann zu Ende gehen und nun gab es den ersten Miniroadtrip. Nachdem Sue mich wieder in Whitehorse abgesetzt hatte, bin ich mit einem Kumpel nach Vancouver gefahren. 3 Tage waren wir unterwegs.

Man sollte meinen, Kanadier können mit Schnee umgehen… Zunächst blieb ich erst einmal in Vancouver. Die ersten Tage habe ich bei Casper, den ich in Whitehorse kennengelernt habe, Couchsurfing gemacht. Dann hatte ich zwei Monate mein eigenes Zimmer in einer WG, danach zwei Monate ein Zimmer in einer anderen WG in Vancouver. Bei den Zimmerpreisen in Vancouver wird einem schlecht, aber die Stadt ist es wert. Nebenbei habe ich einen Job gesucht und schließlich auch gefunden. Nun brauchte ich noch ein kanadisches Bankkonto, denn auf einmal würde regelmäßig Geld hereinkommen. Bei der Bank CIBC wurde ich sehr gut beraten und konnte für ein Jahr ein kostenloses Konto eröffnen.

Zuerst habe ich in einem sehr noblen Restaurant in North Vancouver gearbeitet; dort war ich aber nicht sehr glücklich. Es war einfach nicht meine Welt. Daher habe ich in meiner Freizeit in allen möglichen Restaurants meinen Lebenslauf vorbei gebracht. Und siehe da, nach einer Woche hatte ich das ein oder andere Jobangebot. Entschieden habe ich mich für einen irischen Pub in Downtown Vancouver. Dort habe ich auf 40 Stunden Basis als Koch, zugegebener Maßen ohne Vorerfahrung, gearbeitet und auch viel an Erfahrung mitgenommen. Nett waren die Lifemusik abends ab 21Uhr und ein gelegentliches Bierchen auf Kosten des Restaurants. Nach drei Monaten haben sich aber die Wege des Pubs und die meinen getrennt.

Ich wollte wieder in den Norden gehen, etwas vom Land sehen und dem Ruf des Nordens folgen.
Doch zunächst noch ein paar Worte über Van, wie wir Vancouver genannt haben. Die Stadt ist einfach wunderschön. Eine Stadt mit ca. einer Million Einwohnern umgeben von Bergen und dem Meer und dann noch die Umgebung, mit nochmal genauso vielen Menschen. Auch die Weißkopfseeadler die über einem kreisen, werden immer in meinem Gedächtnis bleiben. Majestätische und freie Tiere. Das Gefühl der Freiheit ist etwas, was man in Kanada in voller Schönheit erfährt. Das kannte ich persönlich bis dahin nicht. Sehr witzig war auch als es in Vancouver geschneit hat und einfach gar nichts mehr funktionierte. Man sollte meinen, Kanadier können mit Schnee gut umgehen, aber das ist nicht überall so. Die Menschen in Vancouver sind alle panisch geworden und entfernten den Schnee erst viel zu spät von den Bürgersteigen und Straßen. Dementsprechend bildete sich durchgängig Eis und alles wurde noch chaotischer. Gerade nach Whitehorse fand ich das sehr merkwürdig. Es gab sogar Zeitungsartikel, dass es zum ersten Mal seit Jahren wieder richtig geschneit hat.

Ein neuer Gefährte…
Anfang Februar entschied ich mich, mir ein Auto zu kaufen. Dass war gar nicht so einfach. Schließlich hatte ich einen 19 Jahre alten GMC Yukon gefunden, mit 414.000km auf dem Buckel und kaputter Windschutzscheibe – für kanadische Verhältnisse ganz normal. Zunächst ein gut verlaufender Check in einer Werkstatt, dann kaufte ich das große Geländeauto relativ günstig. Ganz wichtig, es hatte Allradantrieb, etwas, was man in Kanada unbedingt braucht.

Den März nutzte ich dazu, das Auto auszubauen. Zusammen mit meinem späteren Roadtripbuddy John habe ich ein von mir konstruiertes Holzbett in das Auto gebaut, das umklappbar war, so dass das Auto nach wie vor fünf Sitzmöglichkeiten hatte. Es wurde ein komfortabler Camper mit Queensizebett und allem, was man zum Campen braucht. Wir konnten uns nicht beschweren.

Sieben Wochen on the Road…
Am ersten April, nach sieben Monaten in Kanada ging dann dass ganz große Abenteuer los. Nun folgten sieben Wochen „on the Road“ durch British Kolumbien, Yukon und Alaska Wenn ich mir meine Bilder anschaue, kann ich kaum glauben, dass ich das mit eigenen Augen gesehen habe.
Los ging es in Vancouver; dann haben wir uns über Squamish , Whistler und Williams Lake nach Prinz Rupert durchgearbeitet. Der Highway von Vancouver nach Squamish und der Highway an der Küste nach Prinz Rupert, sind definitiv zwei der schönsten Highways in Kanada; auch halb gefrorene Wasserfälle, zu denen man wandern kann, sind einfach ein Wunder der Natur. Prinz Rupert selber ist leider überhaupt nicht spektakulär, aber der Trip lohnt sich trotzdem, aufgrund des Weges. Anschließend fuhren wir den Cassier Highway hoch nach Whitehorse.

Kleiner Ausflug in den Straßengraben….
Ein Zwischenziel war die Geisterstadt Cassier Ghosttown, die wir aber nie erreichen sollten. War es Schicksal? Von JadeCity aus führte eine Schotterstraße weiter in die Geisterstadt. Auf dieser bin ich also etwas schneller als sinnvoll unterwegs gewesen. Ich hatte mir nichts weiter dabei gedacht, dass sich der Schnee neben der Straße mehr und mehr türmte. Nach einer ganzen Weile kommt das Auto ins Rutschen. Mein Herz bleibt stehen, mit ca. 100 km/h auf die Bremse auf Glatteis, Reflexreaktion, aber die falsche. Das Auto driftet nach links und auf einmal finden wir uns im Graben wieder, was nun? Wie es der Zufall wollte, hatten wir früher am Tag noch andere Abenteurer getroffen, die hinter uns waren. Einer half uns beim Schnee schippen, die anderen beiden haben Hilfe geholt. Einige Einheimische versuchten, mit ihrem Pick-up Truck zu helfen; doch schließlich wurde der Bagger geholt. Gähnend langsam ging es voran. Doch dann hing das Auto halb in der Luft und war schließlich wieder auf der Straße. Und es war noch nicht mal ernsthaft beschädigt worden. Nur Grill und Beifahrertür wurden etwas in Mitleidenschaft gezogen. Auf die Geisterstadt hatten wir dann keine Lust mehr und sind abgedreht – dieses Mal sehr vorsichtig unterwegs. Abends bei einer Runde Whiskey sah die Welt dann wieder besser aus. Am nächsten Morgen kamen die Einheimischen, die uns geholfen hatten, zum Auto, und fragten, ob alles in Ordnung sei. Sie hätten das alles nur fürs Karma gemacht, meinten sie.

„You can drink it fast, you can drink it slow, but your lips must touch the toe“
Dann ging die Reise weiter, zum Glück ohne weitere Pannen. Erst nach Watson Lake – den Schilderwald konnten wir ja schließlich auf unserer Reise nicht auslassen – dann nach Whitehorse. In Whitehorse hatte ich noch einmal die Chance, die Nordlichter zu sehen. Dieses Mal in der aller- schönsten Ausprägung mit sternklarem Himmel. Weiter ging es nach Dawson City, einer alten Goldgräberstadt. Leider war im April noch alles zu, aber das Downtownhotel war offen; ein Glück: was würde man denn in Dawson ohne die berühmte Bar machen? Dort kann man nämlich das Spezialgetränk von Dawson trinken: den Sourtoe-Coctail. Dies ist ein Whiskey mit einem menschlichen Zeh drin, der seine Tradition in der Seefahrt findet. Hat man es geschafft, die Challenge zu meistern, trägt man sich in eine Art Gästebuch ein. „You can drink it fast, you can drink it slow, but your lips must touch the toe“.
Hier mussten wir dann schließlich auch umdisponieren, da der Top of the World Highway aufgrund von zu viel Schnee noch gesperrt war; eigentlich wollten wir nach Alaska fahren. So fuhren wir erstmal nach Inuvik. Der nördlichsten Stadt, die man mit dem Auto noch erreichen kann, dachten wir. 800 km Gravel Highway, teilweise vereist, aber vor allem die Berglandschaft im Tombstone National Park ist es wert. Dumm nur, dass wir nach 200 km einen Platten hatten.

Eine Katastrophe nach der Anderen und dann ist auch noch Ostern…
Nun standen wir also bei -10 Grad Celsius mitten auf dem Highway und versuchten, einen Reifen zu wechseln. Und wieder hat sich die Mentalität der Kanadier bemerkt gemacht. Ein Trucker hielt an und half uns dabei. Die nächsten 200 km bis zum einzigen Motel auf dem Weg nach Inuvik sind wir auf dem Ersatzreifen gefahren, doch unser Timing war maximal schlecht. Ostern mitten auf dem Highway, bei der Hilfswerkstatt vom Motel ist keiner; was jetzt? Zurück nach Whitehorse oder weiter nach Inuvik, die Entfernung dieselbe, das Risiko maximal, denn einen Ersatzreifen hatten wir nicht mehr. Wir entschieden uns weiterzufahren, es ging auch alles erstmal gut.

In Inuvik angekommen fanden wir einen Rastplatz, bei einem zugefrorenen Fluss, so um die -20 Grad Celsius draußen. Wir gingen erstmal wandern, dann kommen wir zum Auto zurück und stellen mit Schrecken fest: jetzt haben wir wirklich ein Problem. Der zweite Hinterreifen wurde vor unseren Augen auch noch platt. Auch ein Feuer zum Aufwärmen wollte nicht so recht gelingen. Erstmal eine Nacht drüber schlafen. Dazu kam an dem Abend von zuhause die Nachricht, „Es hat einen Unfall gegeben.“ Alles ein wenig viel auf einmal zu Ostern. Immerhin diesmal nahe der Zivilisation. Wir hatten zur Abwechslung mal Handyempfang, eher selten auf kanadischen Highways. Am nächsten Morgen konnten wir eine Werkstatt auffinden, die Ostern offen hatte und uns auch bis dorthin abschleppen konnte. Die Rechnung tat weh, aber was soll man machen? Ostern mit zwei Platten am Ende der Welt?

Doch auch dieser Zwischenfall konnte uns die Sehnsucht nach dem Abenteuer nicht nehmen. Am Tag darauf sind wir auf einem Seitenarm des zugefrorenen Mackenzie Rivers nach Aklavik zu einem Jamboree, einem kanadischen Festival, gefahren. Unendlich kalt, aber unheimlich komisch . Schneemobilrennen und um die Wette Teekochen . Man staunt, wieviel Einsatz ältere Damen und Herren für eine Kanne Tee geben können. Abends dann im Sonnenuntergang zurück nach Invuik. Wieder tuckern wir mit 60 kmh auf dem Eis und werden von den Trucks überholt. Eigentlich waren wir gar nicht so langsam, dafür, dass man mit der absoluten Gewissheit fährt, nicht reagieren zu können und dass ein Fehler dich neben die Straße befördert.

Wo wir schon mal soweit nördlich waren, wollten wir natürlich auch Pingos und den arktischen Ozean sehen. Am Tag darauf ging es also nochmal aufs Eis. Sieben Stunden auf dem Eis, dann eine Polizeikontrolle? Es ist schon etwas irritierend auf dem zugefroren arktischen Ozean für eine Polizeikontrolle anhalten zu müssen und dann wofür? Ob wir Alkohol oder Drogen in die Community schmuggeln. Wir müssen ja sehr gefährlich ausgesehen haben…

Ein Ozean aus Eis…
Der Polizist war dann aber ganz freundlich zu uns und hat uns noch Wandertipps für Pingos und Tuktoyaktuk gegeben. Tuk ist direkt am Ozean und einer der nördlichsten Punkte, auf dem kanadischen Teil Nordamerikas. Wir fahren also weiter und wir trauten unseren Augen nicht. Meine Damen und Herren, wie sie sehen, sehen sie nichts. Der arktische Ozean als einzige weiße Masse, mit gelegentlichen Schneeverwehungen. Mit den Pingos verhielt es sich ähnlich. Dies sind einfach Hügel, die sich aus Plattenverschiebungen in Gebieten mit Permafrost ergeben, und wir mussten da natürlich raufklettern. Wandern durch teilweise meterhohen Schnee und warum? Einfach um es gemacht zu haben! Später am Tag noch der Sonnenuntergang (ca. 23 Uhr) auf dem Ozean und dann ging es auch wieder südlicher. Langsam neigte sich auch der April dem Ende zu. Die Iceroads sind nur bis Ende April sicher genug, um darauf zu fahren. Also machten wir uns auf dem Rückweg nach Whitehorse. Dort angekommen haben wir erstmal gerastet. Dann starteten wir nach Alaska. Die Aufregung die Grenze zu überqueren war unbegreiflich.

Tiere, denen man sonst nicht begegnet
In Alaska sind wir zwei Wochen lang auf nahezu auf jeder befahrbaren Straße gefahren. Doch einige Orte und Situationen sind mir besonders in Erinnerung geblieben.
Fairbanks , die zweitgrößte Stadt in Alaska mit einem Eingangstor aus Elch und Rentiergeweihen und der Elch mitten in der Stadt. Auch Denali kann man so schnell nicht vergessen, wenn eine ganze Herde Rentiere vor einer Bergkette grast oder du noch vor den anderen Touristen im Park bist und mit dem Auto reinfahren darfst.
Seward und Kennikott nicht zu vergessen. Seward eine kleine, gemütliche Stadt am Meer und dann die Whale Watching Tour, die wir von dort aus gemacht haben. Adler, Bergziegen, Grauwale, Otter, Robben, Seelöwen, alles, genauso wie den Exit Glacier haben wir vom Schiff aus gesehen.
Kennikott ist eine alte verlassene Kupfermine direkt neben einem Gletscher. Gletscher werden für mich immer etwas Imposantes haben. Selbst wenn man direkt neben dem Eis ist, fühlt man sich winzig und ist letztendlich froh, sich wieder zu entfernen. Auch den Originalbus aus dem Film „Call oft the Wild“ haben wir besucht und bei Cabelas, einem Jagdstore in Anchorage gecampt. Morgens klopfte dann der Polizeioffizier ans Autofenster, fragte, ob wir illegale Immigranten seien, und wollte unsere Reisedokumente sehen. Schließlich ging es zurück nach Kanada. Zwischen Whitehorse und unserem nächsten Ziel haben wir einen Abstecher zu den Liard Hot Springs gemacht, begleitet von einer riesigen wilden Bisonherde, die ganz entspannt neben dem Highway gegrast hat. Dann haben wir uns auf dem Alaska Highway nach Alberta in Bewegung gesetzt. Wieder lief nicht alles nach Plan.
Auf unserer Reise haben wir Bären, Elche, Renntiere, Kojoten und sogar einen Wolf gesehen – alles sehr imposante Tiere.

Auf einmal im Auge des Sturmes…
Zwischen Fort Nelson und Fort St John sind wir in einen Schneesturm geraten. Ich bin gefahren, John meinte nur, du machst das schon. Ich kümmere mich um Musik. Morgens hatten wir noch beschlossen, an dem Tag weniger zu fahren, da es so doof und verregnet war. Aber alles kam anders. Wir fuhren und fuhren und der Schnee neben der Straße wurde mehr und mehr. Auch der Gegenverkehr hatte nach und nach immer mehr Schnee vorne an den Autos kleben. Auf einmal waren wir mitten im Schneesturm und hatten keine andere Wahl als weiterzufahren. Irgendwann hielten wir an und waren sofort 20cm eingeschneit – also Schnee von der Scheibe, tanken und weiter geht’s. Nach sieben Stunden fahren mit Allradantrieb auf der stärksten Stufe und vielen Liegenbleibern unterwegs, war es endlich vorbei. Geschafft, wieder sicher in einer Stadt. Der nächste Tag wurde ein Ruhetag. Erst waren wir schwimmen, später bei „King Arthur“ im Kino. Als nächstes standen Banff, Jasper und Calgary auf dem Plan. Das sind zwar an sich ganz schöne Städte; sie sind aber hoffnungslos von Touristen überrannt, so dass man auch die Natur drum herum oder den Highway Icefieldparkway nur schwer genießen kann. Ärgerlicherweise war auch im Mai der Lake Louise noch weitgehend zugefrorenen.

Wüste mitten in Kanada…
Ein weiteres Highlight war dann Drumheller und das „Dinosaurierschutzgebiet“, der östlichste Punkt auf unserer Reise. Die Badlands sind eine Wüstenlandschaft in Kanada, wo im Mai schon über 40 Grad Celsius herrschten. Es hat etwas Unwirkliches und zugleich Atemberaubendes zu sehen, wie sich die Gesteinsschichten im Laufe der Zeit verändert haben und zu wissen, dass dort die meisten Dinosaurierknochen, die noch existieren, gefunden wurden. Hier war auch das MC Tyrell Museum sehr eindrucksvoll. Von jedem Dinosaurier ist dort ein vollständiges Skelett vorhanden und ausgestellt. Im „Dinosaurierschutzgebiet“ kann man zwischen Kakteen selber Knochen suchen. Merkwürdig war auf jeden Fall, dass zwischen dem Schneesturm und den heißen Temperaturen in Drumheller nur eine Woche lag. Zum Abschluss des Roadtrips waren wir in Kamloops, wo das einzig Sehenswerte ein gigantischer Westernstore ist. Schließlich ging es wieder nach Vancouver.

No risk no fun…
Sieben Wochen Abenteuer waren zu Ende und jetzt musste es irgendwie weitergehen. Was als nächstes?
Die nächsten zwei Wochen waren nicht sehr ereignisreich. Zwei Wochen couchsurfen bei Freunden in Vancouver. So hatte ich Zeit. mich umzusehen, was man nun machen könnte. Schließlich gab es nochmal ein Jobposting, dass Leute für eine Isländerfarm gesucht werden. No risk no fun,. Jetzt sollte die Farm das nächste größere Ziel werden, ca. 1200 km von Van entfernt. Die Entfernung konnte mich aber nach einem 16.000 km Roadtrip nicht mehr beeindrucken.

Zunächst musste ich aber noch zwei Reifen für das Auto organisieren und eine neue Windschutzscheibe. Die war mittlerweile so kaputt, dass weiterfahren nicht mehr sicher war. Diese Dinge hatten doch auf dem Trip etwas gelitten. Dann ging es noch nach Squamish. 1,5 Wochen Felswände hochkraxeln. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Das Gefühl ist einmalig, 200 m an der nackten Wand hoch über dem Meer zu sein und es geht noch weiter. Um Reifen hatte ich mich schon in Vancouver gekümmert, am Ende in Squamish noch die Windschutzscheibe. Dann ging es los nach Alberta in die Nähe von Calgary. Mittlerweile war es draußen dauerhaft Sommer. Unterwegs habe ich einen Stopp bei den Lussierhotsprings gemacht, absolut natürliche, heiße Quellen, die nur mit Geländeauto erreichbar sind. Das war es wert.

Monstertrucks!
Auf der Isländerfarm war es dann gar nicht so toll. Sowas kann ja auch mal schiefgehen, also blieb ich nur drei Wochen. Aber es gab ein Erlebnis: Ich hatte die Gelegenheit, mir ein Monstertruck Race anzuschauen und dort auch den Beifahrersitz des Trucks mal auszutesten. Im Hagel mit einem fünf Meter langen Pick-up Truck rumzufahren war auch eine besondere Erfahrung und hat viel Spaß gemacht.
Danach wollte ich eigentlich Weinbauer in Kelowna werden, auch mit dem Hintergedanken, mein Auto zu verkaufen. Mittlerweile war es Juli, die Wälder brannten. Die Temperaturen stiegen auf durchgängig 35 Grad.
Einen Job hätte ich tatsächlich gefunden, aber absolut keine Unterkunft. Langsam kam Panik auf. Was kann ich tun? Kenne ich vielleicht irgendwen, dem ich mein Auto kurzfristig zum Schluss verkaufen kann?

Ein letztes Reiseziel…
Letztendlich habe ich über Kontakte eine Adresse auf Vancouver Island gefunden, wo ich auf einer Farm arbeiten konnte, wieder einmal gegen Kost und Logis. Das ist in Kanada absolut nichts Ungewöhnliches. Für die letzten zweieinhalb Wochen war ich also versorgt. Zuvor verbrachte ich nochmal eine Woche in Squamish. Am liebsten habe ich auf einem Berg gecampt, wo man ganz alleine war und die Sterne beobachten konnte. Nie hätte ich gedacht, dass ich so etwas einmal so genießen kann. Dann habe ich mit der Fähre übergesetzt auf die Insel und bin zu der Farm gefahren. Dort habe ich mich sofort wohl gefühlt, obwohl viel zu tun war. Selbstgezapfte frische Milch zum Frühstück. Da wird jedes Müsli zum Gourmet. Tabasko, ein Kälbchen, wird mir wohl auch nicht mehr aus dem Kopf gehen, mit der Hand gefüttert und mit ihm gespielt. Hier bei Kerry auf der Farm konnte ich meine letzten Wochen in Kanada genießen. Nebenbei habe ich mein Auto Anfang August verkaufen können, endlich aufatmen.

Ein schmerzlicher Abschied…
Dann kam der Tag des Abschiedes. Am 15. August hat Kerry mich zum Flieger gebracht, vier Uhr morgens. Dann erfuhr ich am Flughafen von Victoria, mein Anschlussflug ist abgesagt. Am Flughafen noch umbuchen. Letztendlich sitze ich im Flieger und mir kamen fast die Tränen. War es jetzt wirklich vorbei? Zwischen Victoria und Vancouver konnte ich den Sonnenaufgang betrachten. Von Van nach Toronto hab ich geschlafen. Dort angekommen wurde ich von Regen begrüßt. In Toronto hab ich noch fünf Tage bei Freunden, die ich in Dawson City beim Sourtoe-Coctail trinken kennen gelernt habe, übernachtet und hatte die Chance die Niagara Fälle zu sehen. Doch mental war das schon nicht mehr meine Zeit in Kanada. Danach ging es endgültig nach Deutschland zurück. Im Flieger am 20. August gab es Toronto bei Nacht und später den Sonnenaufgang über Europa. Am 21. August 2017 war das Abenteuer dann leider zu Ende.

Autorennotiz:
Autorin: Verena Held
Verena Held, geboren 1996 aus Berlin, ging nach dem Abitur mit der DKG für ein Jahr nach Kanada. Nach ihrem unvergesslichen Auslandsjahr begann sie in Berlin ihr Betriebswirtschaftstudium.