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Das DKG Schreibwettbewerb – die Gewinnerin

Liebe DKG Mitglieder und Kanada Fans,

leider hat unser Wettbewerb nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen oder die Leute waren zu „Schreibmüde“ um Teilzunehmen. Aber immerhin haben wir einen Text bekommen den wir hier veröffentlichen. Vielen Dank an unsere Teilnehmerin und Gewinnerin Britt Krukau die sich einen Gutschein von Melody’s Canada im Wert von 25 Euro verdient hat! Viel Spaß beim Lesen!

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©brittkrukau

Charlotte’s Charming Town

– Get ready to say ‚hi‘ to people you don’t even know yet

Canada is known for its nice people, its friendliness and for its easy-going lifestyle. You will experience that no matter where you go in this large country. Perhaps the best place to experience this warmth would be Prince Edward’s Island. P.E.I. is probably one of the most peaceful places on earth. The island recalls its British heritage with places named after British Royalty pretty much on every corner. Whether you are a royal fan or one of Anne of Green Gables, they all had lovely names. While visiting this bit of heaven, don’t miss the famous mussels and potatoes!

P.E.I.
– why?

Einige Tage zuvor

„Wenn ich an P.E.I. denke, fallen mir zuallererst Kartoffeln ein“.

Diese schmackhafte Aussage machte eine weise Dame aus den USA, als sie im Vorfeld meiner Abreise aus Neuengland von einem Urlaub auf Prince Edward Island erzählte. Ihre Erinnerung an die als „Kartoffelprovinz“ bekannte Insel erweist sich auch heute noch als aktuell, landet der Erdapfel nach wie vor auf den Tellern dieser Welt. Auch wenn ich PEI Mussels kenne und zu allerlei Seafood nie nein sage, war meine Reise weniger kulinarisch motiviert als primär durch den maritimen Charme jener Seeprovinz. Die auch hierzulande sehr beliebte „dolle Knolle“ lässt mich in der Ferne auch andere Geschmäcker suchen. In meiner Vorstellung war die flächenmäßig kleinste kanadische Provinz ein küstenvoller Underdog, den es zu entdecken lohnt. Nicht nur gelandet, vielmehr gestrandet war ich für ein paar Tage in ihrer Hauptstadt Charlottetown – ein wie ich finde schöner Name, der Charme und Melodik in sich trägt.

„It’s not a city, it’s a town”!

Dass Stadt nicht gleich Stadt ist, lehrten mich die USA schon früh. Beschaulich, fast verschlafen und kleiner als gedacht, muss sich Charlotte hinter ihrer Town keineswegs verstecken. Sie versprüht ihren Charme auch heute noch. Nautisch-rustikal kommt er daher, ihm zu verfallen fällt nicht schwer. Platz nimmt man im Adirondack Chair genauso wie auf Strohballen. Landwirtschaft und Fischerei durchziehen Stadt- und Landbild gleichermaßen. Was permanent mitschwingt, ist ein Hauch Gemächlichkeit. Be- und gegrüßt wird man laufend. Beim ersten Mal drehe ich mich fragend-suchend um, wer gemeint ist, ertappe mich: kaum abgebogen, ist schon niemand anderes mehr da. Für Hektik scheint weder Raum noch Anlass. Die kommenden Male erwidere ich flink den Gruß und genieße ein Gefühl flüchtiger Vertrautheit. Einmal mehr denke ich: für ein kurzes ‚Hallo‘ könnte selbst im fernen vollen Deutschland öfter einmal Platz sein. Das hieße für unsereins fast schon: gemütlich und verwegen sein.

Charlotte, Edward, Victoria & Anne

Charlottes Anziehungskraft bleibt auch Kreuzfahrern nicht verborgen. Edwards Insel erweist sich als strategisch gut gelegener Gastgeber. Am Hafen sieht man Passagiere auf Landgang, die – kaum sind die Anker gefallen – im Rudel vorbeirauschend Souvenirläden kapern. Auf quietschbunten Muskokas genießt man hier P.E.I.s bestes Eis. Es lohnt, weiter vorzudringen in diese Stadt, und innezuhalten; Charlottes Charme auf sich wirken zu lassen, erweist er sich als so wunderbar entschleunigend. Die Victoria Row erinnert nicht allein wegen ihres Namens an royale Vorfahren. Sie ist eine kurze kleine, aber feine Flaniermeile mit Flair. Weitere Generationen überdauern wird auch Anne of Green Gables. Egal wo auf P.E.I. – sie ist dabei. Kanadas Pippi Langstrumpf ist hier Lokalmatadorin und begleitet das Geschehen, wo man geht und steht.

Last Day of Summer

Literally.

An jenem Wochenende Ende September war es mehr als ein Farmers’ Market. Es war wie eine Summer-Goodbye-Party, die jede und jeden nach draußen zog: Jung, Alt, Klein, Groß, laut, leise, unscheinbar und grell. Bis zum dem Moment als die Sonne hinter den braunen Backsteinhäusern verschwand, schlenderte, schwatzte und stöberte man sich von Stand zu Stand. Ich spürte: es würde für vielleicht lange Zeit das vorerst letzte Mal sein, dass die Sonne Augen kitzelt und im T-Shirt wärmt. Die Menschen saugten ihre Strahlen förmlich auf. Es war jene einsetzende Indian Summer-Melodie, die zu dieser Zeit im Jahr ertönt und Licht wie Blätter tanzen lässt. Und so dehnte sich der Markt mit Eventcharakter in überschaubarem Radius aus zur tagfüllenden Aktivität. Es war ein reges und buntes Treiben, für dortige Verhältnisse vermutlich überfüllt und very busy.

Before I die – P.E.I.

“A global art project that invites people to reflect on their lives and share their personal aspirations in a public art space.”

Seit einigen Jahren schmückt Charlottes Innenstadt eine Kreidewand, die Menschen dazu einlädt, einen Wunsch zu formulieren, den sie sich in ihrem Leben erfüllen möchten. Ist es für unsereins vielleicht eine Reise nach P.E.I., entdeckt man umkehrt Vorhaben wie ‚travel to Europe‘. Somit schließt sich ein Kreis. Ich nehme mir vor: Eine Portion von Charlottes Charme pack ich ein, und nehm mit heim.

PS: Eingangs zitierte Amerikanerin schwärmt noch heute in wohlig-warmem Ton von ihrer Jahrzehnte zurückliegenden Reise und all den köstlichen Kartoffeln.

In 2018 von ©Britt Krukau verfasst

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