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Manche WSP und Praktikumsteilnehmer der DKG haben sich entschieden, in Corona-Zeiten in Kanada zu bleiben.

Anfang Mai schrieben uns Teilnehmerinnen unserer Programme und berichteten über ihre derzeitige Situation in Kanada. Sie können mehr über unser Instagram Account erfahren und Anna Herzog’s Blog lesen. Hier ist auch ein Bericht von Michelle Bisanz die sich zur Zeit in Montreal befindet.

Mein Auslandsjahr in Kanada war schon so lange ein großer Traum von mir gewesen. Wer hätte gedacht dass es so kommen wird….

Anstatt den vielen Reisen die ich für meine letzten Monate in Kanada geplant hatte, sitze ich nun in meiner Wohnung und komme nur raus, um einkaufen zu gehen oder mir mal die Beine zu vertreten. Nichts ist mehr so wie es noch vor 2 Monaten war.
Bevor die ganze Welt abgeriegelt wurde habe ich in dem Sportladen SportExperts im Stadtzentrum von Montreal gearbeitet. Kunden aus aller Welt machten meinen Alltag interessant. Doch der Coronavirus veränderte alles. Mein Enthusiasmus den ich normalerweise an den Tag legte, wenn ich frühs auf die Arbeit gegangen bin, schwand und stattdessen hatte ich plötzlich Angst. Der alltägliche Kontakt zu Menschen und das ständige Anfassen von Gegenständen, die viele andere Personen ebenfalls in der Hand gehabt hatten, versetzte mich in Panik. Doch neben der Angst um meine eigene Gesundheit machte ich mir auch große Sorgen um meine Familie. Ich wusste nicht was auf uns zukommen wird und daher war es umso schwieriger so weit weg von den Personen zu sein die man liebt.

An einem Mittwochabend Mitte März erhielt ich dann den Anruf meines Arbeitgebers, dass sie bis auf weiteres schließen würden. Trotz der Erleichterung die ich verspürte, der Gefahr nicht weiter ausgesetzt zu sein, wusste ich nicht wie es weitergehen wird.
Als ich dann die Möglichkeit erhielt nach Deutschland zurückzukehren entschied ich mich jedoch dagegen. Die Lage war zu diesem Zeitpunkt in Kanada besser als in Deutschland, da es bei weitem viel weniger Infizierte gab. Außerdem wollte ich meinen Freund und unsere gemeinsame Wohnung, welche wir noch bis Ende Juni gemietet haben nicht alleine lassen. Doch mit dieser Entscheidung kamen auch Probleme. So wie die meisten Menschen auch habe ich meine Arbeit verloren, ich wusste nicht genau wann ich nach Deutschland zurückkehren kann und unter welchen Bedingungen und ob mein Freund überhaupt mitkommen kann.
Trotz all der Zweifel und den Ungewissheiten was in der Zukunft passieren wird, habe ich es geschafft mit der Lage umgehen zu können und das Beste draus zu machen.
Für mich ist es zur Gewohnheit geworden dass alle Läden, die noch offen sind, Waschbecken installiert haben damit man sich die Hände waschen und desinfizieren kann. Wenn ich Lebensmittel einkaufen gehen möchte, dann bin ich darauf gefasst lange anstehen zu müssen, da nur eine gewisse Anzahl von Personen in den Laden darf. Oder wenn ich in die Apotheke gehe, dann wird mein Fieber gemessen bevor ich eintreten darf. Ein Mitarbeiter begleitet mich durch den ganzen Laden damit ich nichts anfasse und so schnell wie möglich den Laden wieder verlassen.
Bis jetzt haben wir noch keine Erleichterungen erhalten, jedoch könnte ich mir vorstellen, dass es bald der Fall sein wird, da die kanadische Regierung sich sehr an Europa orientiert wenn es um Entscheidungen bezüglich des Coronaviruses geht.
Letztendlich wünsche ich mir nur dass ich bald gemeinsam mit meinem Freund gesund nach Deutschland zurückkehren kann und das die Lage wieder so wird wie sie vor dem Coronavirus war.

©Michelle Bisanz

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