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Maple Leaf

Interview mit Schriftstellerin Natascha Birovljev aus Caroline, Alberta

Natascha Birovljev ist eine deutsche Schriftstellerin die in der Provinz Alberta lebt. Geboren in Böblingen bei Stuttgart, fand Natascha ihren Pfad zum Schreiben über viele Umwege. Die talentierte Autorin der „Willow Ranch“ Reihe („Schattenpferde der Rocky Mountains“, „Die Schattenkrähe der Rocky Mountains“ und „Der Schattengrizzly der Rocky Mountains“) hat, zu unser aller Freude, eingewilligt uns ein paar Fragen zu ihrer Geschichte zu beantworten.

©Natascha Birovljev

-Sie sind in Baden-Württemberg geboren und aufgewachsen. Wie haben Sie Ihre Liebe zu Pferden und Tieren entdeckt? Meine Mutter war selbst leidenschaftliche Reiterin und hat mich mit ihrer Liebe zu Pferden angesteckt. Wir hatten seit meinem 10-jährigen Lebensjahr immer Pferde. Meine Leidenschaft war damals das Dressurreiten und ich bin, zusammen mit meiner Mutter, zu unzähligen Turnieren und Trainingseinheiten gefahren. Es war eine wunderbare Zeit. Von meinem Vater habe ich die Liebe zu Hunden in die Wiege gelegt bekommen.

-Wie war Ihre Verbindung zu Kanada bevor Sie zum ersten Mal dort Urlaub machten?
Ich bin immer schon gerne alleine gereist, war in vielen Ländern und wollte unbedingt einmal im Leben in den Rocky Mountains reiten. Durch Zufall habe ich in einem Reitermagazin die Anzeige der Ranch gesehen, die in Alberta Ritte in die Berge anbot. Im Jahr 2000 habe ich dort meinen ersten Urlaub verbracht, ein Jahr später habe ich dann meine Mutter mit auf die Ranch genommen. Wir verbrachten damals 14 Tage in einem Zeltcamp, das diese Ranch in den Bergen hatte. Ein unvergessliches Erlebnis und damals hat sich Kanada und ein Cowboy in mein Herz geschlichen und nicht mehr losgelassen.

-Kanada ist sehr gross, warum entschieden Sie sich ausgerechnet für Alberta?
Die wilde Schönheit der Berge hat mich begeistert. Und ich habe auf der Urlaubs-Ranch meinen Mann (jetzt Ex-Mann) kennengelernt.
Ich muss zugeben, dass ich erst Jahre später mehrere Provinzen Kanadas bereist habe. Die Ranch- und Cowboytradition Albertas liegt mir am Herzen und die Menschen hier, sind in ihrer herzlichen Art, ganz nach meinem Geschmack. British Columbia ist ebenfalls immer eine Reise wert, doch dort könnte ich nie für länger bleiben. Das ist ein ganz anderen Menschenschlag. Begeistern kann ich mich auch für die Ostküste und ich will, wenn es wieder möglich ist, auf jeden Fall Ontario bereisen. Einen Road-Trip quer durch Kanada, das steht auf meiner Bucket-Liste … einmal Westen nach Osten und dann in den Norden, bis die Straßen aufhören.

-Sie haben in der Zeit um 2012 schwierige Momente erlebt. Was hat Sie dazu bewogen, in Kanada zu bleiben und nicht nach Deutschland zurück zu kommen?
2012 habe ich ganz unerwartet meine Mutter verloren und meine Ehe stand vor dem Ende. Und doch war Kanada zu meiner Heimat geworden und ich konnte mir nicht vorstellen, zurück nach Deutschland zu gehen. Meine Ranch hier, war und ist mein Zufluchtsort, mein Paradies, in dem ich mich immer, auch in schweren Zeiten, geborgen fühle. Heimat ist tatsächlich mehr als ein Ort. Kanada und vor allem Alberta wurden zu meiner Wahlheimat eben auch durch die Menschen, Freunde, Nachbarn, die mich umarmende Natur und meine Tiere. Und ich bin zutiefst dankbar, dieses Leben hier leben zu dürfen.

-Was vermissen Sie manchmal aus Deutschland außer Familie und Freunde?
Ehrlich gesagt, vermisse ich nichts, außer die geliebten Menschen. Ich denke, das ist ein deutliches Zeichen, dass ich hier Wurzeln geschlagen haben, die tief hinab reichen und mich hier in Alberta mit allem versorgen, was mein Herz, mein Körper und meine Seele benötigen, um rund um glücklich zu sein.

-Sie waren 2019 auf der Buchmesse in Leipzig und auch in Frankfurt. Wie war Ihre Erfahrung dort? War es für sie das erste Mal als Autorin dort?
Ja, die Leipziger Buchmesse 2019 war meine erste Buchmesse als Autorin und ich hatte auch gleich einen eigenen Stand. Was für ein Erlebnis! Meinen Mini-Stand hatte ich mit Pferdedecken, Traumfängern und kanadischen Ahornblättern dekoriert, und ich glaube dass allein, hat die Besucher stehenbleiben lassen. Es war anstrengend, dort an allen Messetagen Fragen zu beantworten, zu lächeln und zu erzählen, aber ich habe jede Minute genossen.
Auf der Frankfurter Buchmesse war ich dann gemeinsam mit der Romanschule, für die ich seit fast 2 Jahren als Dozentin /Schreibcoach arbeite. Dort habe ich, zusammen mit einer Kollegin, live ein Buch geschrieben. Wir hatten es im Vorfeld geplant und uns dann einfach hingesetzt und während der Messe vor den vorbeilaufenden Besuchermassen geschrieben. Der Frauenroman befindet sich momentan noch in der Überarbeitung, da wir beide eigene Projekte haben, denen wir Priorität einräumen. Auch diese Messe war ein tolles Erlebnis und ich habe mit vielen LeserInnen über mein Leben in Kanada und meine Bücher gesprochen.

-Sind die Charaktere in Ihre Bücher von reale Personen Ihrer Umgebung inspiriert?
Nun muss ich lächeln. Meine Nachbarn hier sind sehr neugierig, endlich die englische Version der Bücher in Händen zu halten. Denn sie sind sich sicher, dass sie darin vorkommen. Wie könnte ich mich nicht von den Rodeo-Cowboys, den hart arbeitenden Ranchern, Cowgirls, First Nations people inspirieren lassen? Manche meiner LeserInnen haben mir auch gesagt, dass meine Figuren wirken, wie aus dem Leben gepickt. Und damit haben sie nicht ganz unrecht.

-Sie schreiben auf Ihrer Website einen Blog über das Schreiben und über Ihr Leben in Kanada. Es ist Ihnen vielleicht bewusst dass Sie den Traum vieler Kanadaliebhaber leben.
Kanada, Ranch, Pferde, Rocky Mountains, Schriftsteller…
Erzählen Sie uns wie sie es für sich wahrnehmen.

Mir ist durchaus bewusst, dass ich einen Traum von vielen leben darf. Auch von einigen meiner Freunden. Es ist aber eben auch so, dass ich nach sechzehn Jahren hier, manches als selbstverständlich hinnehme, weil es mein Alltag, meine Umgebung ist. Daher bin ich dankbar, dass mich meine LeserInnen und Follower auf den Social Media Kanälen immer wieder bewusst machen, wie traumhaft schön meine Wahlheimat, meine North Raven Ranch und mein Leben ist. Das erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit und einer immer wieder neuen Wertschätzung meines Lebens hier. Ich bin ein sehr positiver Mensch, schon immer gewesen. Lange Phasen von Trübsinn kenne ich nicht. Manchmal, wenn ich draußen auf meinem Gelände bin, mit meinen Hunden, bei den Pferden, gibt es Augenblicke, an denen ich mein Glück nicht fassen kann. Das mag kitschig klingen, aber genauso empfinde ich es.

-Dürfen Sie uns verraten, an welchem Projekt Sie momentan arbeiten?
Das vierte Buch meiner Willow Ranch Reihe liegt gerade im Lektorat. Es wird im Mai erscheinen. Ein Fantasy-Projekt möchte gerne meine Aufmerksamkeit. Aber ich werde auf jeden Fall auch weiter Romane schreiben, die eng mit Alberta, den Rocky Mountains, First Nations Legenden und dem Leben hier im Cowboy Country verbunden sind.

-Was ist Ihr größter Traum als Autorin?
Ein Traum wäre es, an meinem Lagerfeuer aus meinen Büchern zu lesen, umgeben von zahllosen Zuhörern, die sich mit dem Flüstern des Windes und meiner Stimme verzaubern lassen. Da dies aus vielen Gründen momentan nicht möglich ist, überlege ich gerade, in einer Art Podcast aus meinen Büchern vorzulesen. Das würde mir sehr viel Spaß machen.
Und natürlich will ich weiter Romane schreiben, mit denen LeserInnen sich nach Kanada träumen können. Wenn mich Nachrichten meiner LeserInnen erreichen, in denen sie mir schreiben, dass sie mit meinen Figuren geweint und gelacht haben, meine Zeilen ihnen Mut und Inspiration gegeben haben, dann habe ich bereits das Gefühl, mein Autorinnen-Traum zu leben.


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